Die Vorgeschichte

Die Vorbereitung auf diese Fahrt fing vor vielen Jahren an. Nur haben wir das nicht richtig mitbekommen. In 2 großen Sanierungen 2013 und 2014 tauschten wir fast alle Planken, die Bodenwangen, einige Spannten, den hinteren Aufbau und die gesamte Schanz. Wir wollten ein starkes gesundes Schiff. Als würden wir planen den Ozean zu überqueren.

Dabei zwang uns die Gesundheit zu kleineren Schlägen auf der Ostsee.

Im Herbst 2018 entschlossen wir uns zu einer weiteren Stärkung der Aurora. Der Löskiel (unter den Kiel gebolzter Balken ohne konstruktive Funktion (fast)) wurde abgesägt und durch einen Kasten aus Schiffbaustahl ersetzt. In diesen kam das im Schiff gelagerte Ballastblei. Vorteil dabei ist der niedrigere Schwerpunkt und eine leere Bilge. Außerdem gab es ein neues Ruderblatt, etwas Farbe und fertig. Denkste.

Am Tag vor dem abslippen kam ein Werftmitarbeiter: „Ole komm mal, ich muss Dir etwas zeigen.“ Dieser Satz wird eigentlich immer sehr teuer.

Hinter einer Aufbauecke über der Pantry (Küche) wuchs ein ca. 10 cm langer Pilz in die Messe. Vor ein paar Tagen hatte ich dort noch gestrichen und es war nix zu sehen. Was soll das???

Mit dieser Art Pilz ist aber nicht zu spaßen, der vernichtet ein Holzschiff im Handumdrehen. Also abreißen und den Ursprung finden. Der letzte Fitzel von dem Mist muss raus. Vom Aufbau ging es ins Deck, die mit Baumwolle Kalfaterten Nähte entlang in den nächsten Aufbau…. Und so weiter und so fort.

Als Quelle haben wir ein 2014 eingebautes Stück Deck aus Kambala (in den 70ern bei Schiffbauern beliebtes Tropenholz, heute nicht mehr für den Schiffbau zugelassen) identifiziert.

Abgerissen wurde: Komplettes Deck samt Decksbalken, beide Aufbauten, Beding, Vorluk, oberster Plankengang und der gesamte Innenausbau. Ach ja, natürlich auch die Elektrik und Horridoh: der Motor.

Ein offenes Ruderboot.

Jetzt ging es los. Die Werft baut den Rumpf neu, natürlich nochmal stärker. Ein etwas unzuverlässiger Motormann die neue Maschine, natürlich stärker und durch Kielkühlung eisgeeignet. Wir machen uns an den neuen Innenausbau und die Konservierung (sollte ungefähr so werden wir vorher, ist jetzt komplett anders.) Wir haben jetzt sogar ein Klo.

Im Herbst 2020 kommt die Aurora wieder ins Wasser, wir stellen schnell den Mast, schlagen die Segel an und fahren los. Das Schiff ist zwar noch lange nicht fertig aber es muss sein. Die Gesundheit zwingt zur Eile. Noch einmal aufs Wasser.

Dann am 11. März 2021 muss unsere geliebte Ehefrau und Mutter sich auf die letzte Reise begeben. Simone, wir haben Dich sehr geliebt und seit 21 Jahren bist Du ein sehr wichtiger Teil von uns und unserer Aurora. Du wirst immer bei uns sein.

Eine Woche später holen wir die Aurora aus dem coronageshutdownten Dänemark und lassen uns einige Tage den Winterwind um die Nasen wehen. Das tut gut. Und schmeckt nach mehr. Viel mehr. Schon auf einer kurzen (die Arbeit ist noch lange nicht fertig) Sommertour reifen die Pläne. Wir wollen zu den Lofoten. 4 Monate mindestens.

Dann allerdings kommt die Herbsttour, wieder nur als kurze Arbeitsunterbrechung. Da kommt Tom mit einer grandiosen Idee um die Ecke. „Also: Ole ist Rentner, Chiara nächsten Sommer mit dem Bachelor fertig, Jesper studiert rein online und ich (Tom) habe nächsten Sommer mein FSJ fertig. Warum segeln wir nicht mindestens 1 Jahr?“

Die Argumentation war schlüssig. Also fingen wir an vorzubereiten und immer weiter am Schiff zu arbeiten. Die To-Do List war noch sehr lang und die Zeit bis zur Abfahrt wurde immer kürzer. Jetzt stand nicht nur die Werft auf dem Plan, sondern auch viel Organisation. Crewplanung, Essensbeschaffung, Navigation, Elektrik und natürlich Crewkleidung.

Im Frühjahr, nach einer Woche Einhand-Corona-Segelei, geht es wieder zur Werft.

  • 50 Meter Planke tauschen
  • Klüverbaum erneuern
  • Topsegelstenge erneuern
  • Eishaut aus Aluminium aufnageln
  • Jede Menge Elektronik einbauen
  • Von Pinne auf Radsteuerung umbauen
  • Neue Ruderbank bauen

Unterm Strich schnell und billig. Wer Ahnung hat merkt, dass der Satz gelogen war. Wer keine Ahnung hat wahrscheinlich auch.

Bis zur letzten Minute wurden alle helfenden Hände verwendet, um das Schiff segelfertig zu machen. Am Ende war es das fast, aber es ging trotzdem los. Der Rumpf war dicht, der Mast stand und die Segel waren angeschlagen. Schlafen konnte man auch also steht dem Inseestechen nichts mehr im Weg.

Der Tag der Abfahrt war Pfingstsonntag, der 5. Juni.

3 Antworten zu „Die Vorgeschichte”.

  1. Einfach der Wahnsinn, Aurora die „alte Dame“ ist eine bildhübsche Lady (wahr sie ja immer) geworden.

    Toi auf Aurora, ich erinnere mich an Ansagen: Mors auf Eimer am Vordeck oder über die Schanz! Toilette gibt es hier nicht!

    Wir haben ja schon ab und an an den Schiff gearbeitet, aber was ihr da jetzt geleistet habt, einfach der Wahnsinn! Ich bin sowas von platt!

    Ich wünsche euch allen eine super schöne Tour, bleibt gesund, habt tolle Erlebnisse und vor allem aber, immer euch gewogene Winde!

    Ich werde euch folgen und träumen dabei zu sein, als Smutje, um euch zu bekochen. 😘🌈

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  2. Avatar von Dagmar Schilling
    Dagmar Schilling

    Es macht Freude euch virtuell auf eurer Reise zu begleiten!! Weiterhin wünsche ich euch eine erlebnisreiche Zeit!!Ich bleibe dabei ….
    Ganz liebe Grüße
    Dagmar aus Bad Harzburg

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  3. Toll eure Arbeit. Wir wünschen euch traumhafte Erlebnisse ohne Zwischenfälle.
    Lieben Gruß
    Crew Worlddancer2.

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