Endlich Sonne in der Bretagne

Das erste französische Croissant und der erste französische Kaffee haben uns froh gestimmt, aber müde sind wir zum Teil trotzdem noch. Während Teile der Crew sich nochmal kurz in die Koje legen, hängen die Anderen das ganze Schiff auf. Alles haben wir nass gesegelt und seit Irland ist auch nichts so richtig getrocknet.

Nachmittags, als alles weitgehend trocken und die Crew einigermaßen ausgeschlafen ist, gehen wir den Ort erkunden. Wie so oft ist die Marina ein wenig außerhalb. Wir hätten uns ja auch gerne in den Stadthafen gelegt, jedoch fällt der leider trocken. Also erlaufen wir uns den Stadthafen, die Promenade und das kleine Städtchen. Roscoff. Die Sonne scheint uns aufs Gesicht und ist nun endlich voller Wärme. Kurze Hose und T-Shirt sind genug und wir nennen uns zum ersten Mal die Schlappengang.

Roscoff ist niedlich, aber auch sehr touristisch. Da wir selber auch Touris sind, aber auch weil alles andere entweder voll oder geschlossen ist, setzen wir uns in die touristischste Crêperie auf dem Platz und genießen die französische Spezialität. Das schmeckt richtig gut. Und auch der kalte Rosé trägt zum Ankommen in dieser sommerlich-französischen Stimmung bei.

Der Crêpe hält uns nicht lange satt und nach einem kleinen Spaziergang weiter durch den Ort suchen wir ein Restaurant. Wie zu erwarten, ist die französische Küche weitestgehend nicht sehr vegetarier*Innenfreundlich und die Lokale auch alle eher klein und voll. Am Ende setzen wir uns an den letzten Tisch einer Pizzeria und essen eine sehr gute Pizza. Französische Küche dann nächstes mal.

Ausgeschlafen, gestärkt, gewaschen und getrocknet machen wir uns am 04. August auf den Weg nach L’Aber Wrach. Fürs Frühstück haben wir Croissants und Baguette besorgt. Dieses Frühstück an Bord, in der Sonne, mit guten Backwaren ist wirklich ein echter Winner.

Wir sind bereit für das wunderschöne Segelrevier: Bretagne. Wie wir im Laufe der Tage feststellen müssen, ist es für uns eher nur ein schönes Revier, da es für uns hauptsächlich keinen Wind und große Atlantikdünung gibt. Also motoren wir nach L’Aber Wrach, wo wir direkt von einer sehr netten und auch ausnahmsweise uns nicht auf französisch voll- textenden Hafenmeisterin begrüßt werden und kriegen einen sehr schönen Platz mit einem wundervollen Blick. Abends gehen wir dann richtig französisch Essen, wobei Kira zu uns stößt, die nun die nächsten zwei Wochen an Bord sein wird. Am nächsten Morgen erlaufen wir uns bei einem 30 Minütigen Spaziergang den Ort und kaufen ein.

Die Flaute und die Wellen bleiben und wir müssen unsere Pläne zu einer vorgelagerten Insel zu fahren leider unterwegs canceln und fahren stattdessen nach L’Aber Ildut. Im Endeffekt ein schöner Zufall, da wir sowohl alte Bekannte treffen, als auch neue sehr nette Menschen kennenlernen dürfen. Nachdem wir zweimal am Hafen entlanggefahren und keinen Platz gefunden haben wollen wir uns kurz an einer Kutteryacht festhalten, als der Skipper herauskommt und meint, dass sie selber 20 Tonnen wiegen. Also können wir hier liegen bleiben und kommen direkt mit dem Iren, der mit seiner kanadischen Frau seit 10 Jahren auf dem Schiff wohnt, ins Gespräch. Außerdem steht an Land auf einmal ein deutsches Paar, was uns ebenfalls sehr bekannt vorkommt. „Wir sind die von der roten Jolle. Wir haben uns mal auf Avernakø getroffen“. Da wissen wir natürlich sofort Bescheid und laden sowohl die beiden, als auch unsere Nachbarn auf einen Gin Tonic ein. Eine sehr schöne Überraschung und ein sehr schöner Nachmittag. Abends wird gegrillt und das Leben ist gut.

Am 06. August wollen wir abends Lukas in Brest vom Bahnhof abholen. Also machen wir uns nach Dusche und Frühstück auf den Weg. Und endlich auch mit Wind! Erst fegen wir mit raumen Winden die Küste entlang Richtung Ecke. Dann müssen wir in den Fjord von Brest reinkreuzen. Mit 5 Windstärken aber kein Problem. Es ist eine herrliche Segelei, fast in die Hafeneinfahrt.

Das trauen wir uns aber nicht, da Brest neben einer Riesenmarina auch über einen Riesenmilitärhafen verfügt. Immerzu fliegt der Marinehelikopter über uns drüber. Wir haben Glück, dass wir noch einen Platz am äußersten Schwimmponton (für große Schiffe) kriegen. Zwischen kolossal riesigen Kat- und Trimaranen sieht die Aurora ganz schön klein aus. Aber wir liegen gut und der Weg von der Steganlage runter dauert auch nur 15 Minuten…

Es gibt eine tolle Gemüse-Tomatensauce mit Nudeln und einen Vortrag über Brest von Tom bevor wir uns auf den Weg zum Bahnhof machen. Endlich ist Lukas da.

Den nächsten Tag bleiben wir in Brest. Es müssen leider zwei Krankenhausbesuche abgehalten werden. Beides nichts Schlimmes. Beim Kapitän zeigen sich erste Anzeichen von Skorbut. Er hat einen Zahn verloren. Also steht neben Zahnarzt auch noch der Kauf von Zitrusfrüchten auf dem Programm.

Morgens, auf der Suche nach Frühstück finden wir einen sehr langen und sehr vollen Markt, auf dem wir herrlich viel Gemüse erwerben.

Leider macht die Zahnnotaufnahme erst am Montag wieder auf, weswegen wir auch nachmittags nicht ablegen können. Also gehen einige noch ins Marinemuseum, während die Kulturbanausen an Bord bleiben und kniffeln. Abends finden wir eine Bar, in der es drinnen eine Boulebahn gibt. Wir leisten uns einige hartumkämpfte Partien. Boulebahnen in einer Bar könnte man bei uns auch etablieren… So geht ein weiterer schöner Abend zu ende.

Eine Antwort zu „Endlich Sonne in der Bretagne”.

  1. Der Bericht gibt wiedermal einen schönen Überblick über eure Erlebnisse. Und dann die Fotos!!!!

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