Nach 3,5 frühmorgendlichen Schlangestehstunden wird Ole eröffnet, dass ein rausgefallenes Implantat weder etwas mit Skorbut zutun hat, noch zu zahnmedizinischen Notfällen gerechnet wird. Einfach mit nach Hause nehmen und von der eigenen Zahnärztin einsetzen lassen. Der davon ausgelöste betrübte Dackelblick erweicht dann zum Glück doch das Herz der hinter dem Rezeptionsdrachen stehenden Zahnfee. 3 Minuten und 60 € später geht es strahlend lächelnd zurück aufs Schiff.



Toms Fazit im Brestvortrag: „Wenn Sie müssen, besuchen Sie kurz die Uniklinik und legen dann so schnell es geht ab.“ Das befolgen wir nur zu gerne.
Draußen weht aus Versehen eine schöne Brise die uns in Richtung Baye de Dournanez schiebt. Nach abschließender kurzer Kreuz fällt der Anker bei Morgat. Dies ist ein Tipp von unserem Freund Kai. Hier gibt es unzählige Grotten in der schroffen Felsküste, in welche man mit dem Dinghi hineinfahren kann. Da es schon spät ist pusten wir nur das Seekajak auf und einzeln fahren wir in den Berg. Dort ist es dunkel. Merkwürdige Geräusche gurgeln in unergründbaren Winkeln. Es tropft von oben und regelmäßig flattern Flugobjekte am Kopf vorbei. Objektiv sind es nur sanfte Wellen, Reste des Hochwassers und Tauben. Trotzdem haben wir unabhängig voneinander „spooky“ Empfindungen und freuen uns über liebliches Tageslicht am Ausgang.






Als dies versiegt ist kommen die Sterne und eine friedliche Nacht. Begleitet von einem sanften Rollen.
Strahlender Morgen. Das Schlauchboot wird aufgeblasen und nun endlich die Höhlen auch ganz drinnen erkundet. Jetzt sind sie toll und gar nicht mehr gruselig. Ein Erlebnis.







Das erwarten wir auch vom „Pointe du Raz“, dem berühmt berüchtigten Cap. Einen der stärksten Tidenströme der Bretagne, bis zu 8 Knoten soll es geben. Da muss man schon genau auf die Zeit achten. Das ist natürlich eine unserer Stärken und so segeln wir bei sanfter Brise mit 3 Knoten Fahrt durchs Wasser um die Ecke. Über Grund allerdings 7,5 Knoten. In die richtige Richtung. Sehr angenehm, allerdings auch örtlich sehr begrenzt, weshalb sich die Schifferei entlang der langen Küste lange zieht. Der Wind gibt uns ein wenig einen Vorgeschmack für die nächste Zeit. Wenig.



Wir verbringen die Nacht am Anker vor Audirne. Mit vielen anderen Schiffen.
Der aus Versehen und lästigerweise nachts aufkommende Nordwind soll vormittags noch etwas wehen, weshalb im Morgengrauen der Anker gelichtet wird. Alle an Deck und Segel hoch. Nach 10 Minuten sind noch 2 an Deck. Ab 10:20 ist komplette Flaute und ab 11:00 brummelt der Motor. Ein Geräusch an das wir uns gewöhnen müssen. Der Langzeitwetterbericht hat nicht viel zu berichten. Eigentlich nix.












Um 17:00 legen wir nach 37 Meilen in Concarneau an. An einem edlen IMOCA- Steg, Heimat von „11th Hour Racing Team“ und „Aprivia“. Beide nicht da. Mitten im stinkigen Fischereihafen, 2 Kilometer außerhalb der Stadt. Das erschüttert uns nicht, die Stadt wird bestaunt und erwandert. Und abends lenzen wir mit dem Chefkonstrukteur von 11th Hour einige Flaschen Rosé. Er möchte gerne Aurora anschauen. Das hat er dann morgens wohl doch wieder vergessen. So fällt leider auch der Gegenbesuch auf der Rennmaschine (in einer Halle) aus.







Pech. Strömungstaktisch laufen wir um 14:00 aus. Nicht weit, dann holt uns ein Hafenbüttel im Schlauchboot ein und wirft uns Zechprellerei vor. Wir sind uns keiner Schuld bewusst, bei dem stinkigen Drecksplatz ohne jeden Service.
Hier müssen wir kurz überlegen: Ist der Mann doof oder hält er uns für doof. Oder beides. Seine mit Überzeugung vorgetragene Rechnung – 18 Meter Gesamtlänge mal 9 € pro Meter macht genau 99€, payable in cash – überzeugt uns nicht. Wir legen nochmal an und bezahlen unsere 37,50€.
Weiter durch die Flaute. 35 Meilen bis Lorient. Dort ein schöner Liegeplatz, wieder in Nähe der IMOCAs. Nahe bei den Duschen. Abendfrieden und früh in die Kojen.
Unser Tagesziel – Belle Ile – ist nur bei Hochwasser anzulaufen. Das ist erst um 19:00. Macht bei 26 Meilen haufenweise Zeit vorm Auslaufen. Wir haben von Arved Fuchs den Auftrag bekommen Boris Herrmann zu finden und zu grüßen.
Also startet eine Schlauchbootexpedition zu den Rennbooten bei den U-Bootbunkern. Feinste großdeutsche Architektur. Auf jeden Fall stabil. Viel beeindruckender sind aber die Schiffe. Boris‘ „Seaexplorer“ ist da. Er nicht.Wir stöbern ihn im Restaurant neben Aurora auf, grüßen ihn und legen ab.








Flaute. 0,0 Windstärken. Wie berechnet erreichen wir Bele Ile „at the peak of the tide“ und bekommen einen super Platz hinter der Schleuse. Dies ist Frankreich wie wir es uns erträumt haben. Überall sanfte Musik, Cafés, Bars und sympathische Geschäfte. Warm in der Abendsonne, nicht gestört durch lästigen Wind. Hier können wir nicht sofort wieder wegfahren und der Beschluss einen Hafentag einzulegen fällt einstimmig. Die Nacht war allerdings laut, wir mal wieder an der Partymeile.






Morgens errichten wir das erste Mal das Bimini. Ein herrlich schattiges Achterschiff ist das Ergebnis. Fauler Tag, langsames Lustwandeln wechselt sich mit Badeausflügen ab. Gutes Essen.





















Leider müssen wir am Tag drauf weiter. Ida und Kira müssen in die Bahn. Auf dem Festland. Heute kommt doch glatt ein wenig Wind auf und wir können segeln. Herrlich.






Unser Ziel – Pornichet- la Baule ist so gar nicht herrlich. Im Gegenteil, es ist so gruselig, dass wir davon nur noch erinnern, dass die beiden abgereist sind. Morgens um 8:30. Der Bahnhof ist eine halbe Stunde entfernt. Also laufen wir um 9:00 aus.
68,5 Meilen ohne Wind. Das nervt. Abends laufen wir in Les Sables-d’Ollone ein. Heimat der Vendée Globe. Immer diese Rennschiffe. Immerhin wartet Musi/Lotte an Land, angereist aus Bordeaux. Hier verbringen wir einen sehr produktiven Arbeits-/Verpflegungstag. Morgen soll der Wind kommen. Der Richtige für den Sprung nach Gijón, Spanien. 240 Meilen.


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