Die erste lange Atlantikpassage

Bevor die Titelgebende Passage angegangen werden kann, muss sich der passende Wind etablieren. Nördlich. Typisch für die Jahreszeit. Das soll auch wirklich geschehen. In 5 Tagen.

Kein Problem. Lagos ist zwar eine Touri Hochburg und rappelvoll aber es gibt einen tollen Strand zum Spikeball spielen, eine sehr schöne Altstadt und Sandra und Luis.

Die zeigen uns richtige Geheimtipp-Plätze. Kleine Frühstückscafés, urige Restaurants, ihr tolles Haus mit 9 Katzen und nicht zuletzt die Berge hinter der Küste. Die hätten wir ohne Sandra und Luis‘ großes Auto nicht gesehen. Vielen Dank nochmal!

Außerdem erkunden Chiara und Jesper noch die Studienmöglichkeiten in Faro. Und Faro.

Die Übrigen noch die Cabos und Surfstrände samt Strandbars und die Black Cat Bar, angesagter Schuppen in dem Theo jetzt offizieller Cocktail-ex-Meister ist. 4,81 Sekunden für einen 500ml Iced Vodka-Drink und einen Tequila. Barrekord.

Endlich, am Donnerstag Nachmittag lebt ein schöner Nordwest Wind auf. Letzte Einkäufe werden verstaut, Wasser und Diesel gebunkert.

Vor der Hafeneinfahrt steigen die Segel am Mast, der Motor verstummt und Aurora läuft mit Kurs 240, SW zu W in die aufkommende Dunkelheit. Der Wind dreht langsam auf Nord, gut für uns.

Knapp 500 Seemeilen bis Madeira.

Mitten in der Nacht, die Sterne sind unzählig und überall. Ein Blick auf den Plotter verrät, dass unter uns über 4000 Meter Wasser sind. Das ist viel. Spontan kommt ein mulmiges Gefühl auf. Auch wenn wir alle wissen, dass man auch in einer Pfütze jämmerlich ersaufen kann.

Das Philosophieren, wie lange ein achtlos über die Schanz geworfener Avokadokern braucht, bis er am Grund aufschlägt lässt uns die Relation besser verstehen. Und, sehen Tiefseefische deswegen so schlecht gelaunt aus, weil…darüber kann man trefflich die Nacht vergrübeln.

Morgens, die Nacht war ruhig und die Wache nicht so laut, strahlendes Sonnenlicht an Deck. Was hat das Meer für eine unbeschreibliche Farbe….

Sofort geht die Suche nach Vergleichen los:

Mein unterlaufener Daumennagel, das Gefühl, als ich mit dem Hammer draufgedroschen habe war ähnlich intensiv wie diese Farbe. Aber die Farbe nicht.

Das Hämatom ums Auge nach einem Sturz auf glüchstädter Spielgeräte – zu bunt.

Hat mal jemand einen adeligen angestochen?  Das Blut höchstens blassrot.

Ein gewaschener 20 € Schein. Trocknet zu schnell und wird dann wieder hell.

Im Gegenteil dazu die Solarplatte – zu dunkel.

Genauso wie das alte Eis in Grönland. Wunderschön, tiefgründig aber fast schwarz.

Schon eher die Innenseite von Mutters altem Emaille Topf. Wo er nicht so verkalkt ist.

Noch näher kommt die Farbe der Rückenflosse eines frisch gefangenen Mahi Mahi, solange er noch im Wasser ist.

Knapp gefolgt von der herrlichen Europaflagge, unter deren Sternen wir segeln.

Der fast perfekte Vergleich, Ihr werdet mir zustimmen, ist das Licht zwischen Tag und Nacht, dass sich auf umspülten norwegischen Schären reflektiert.

Die Offenbarung erfährt man, wenn eine wunderschöne Tuareg Frau morgens am Strand der Westsahara im Sonnenaufgang steht und plötzlich die Augen öffnet. Dieses Blau. Dieses unendlich tiefe, strahlende Blau. Das Meer in ihnen, das Meer aus ihnen.

Achtet nächstes Mal darauf.

Dieses unbeschreibliche Blau wird allerdings sofort Grau, wenn die Regenwolke über uns ist. Regen, was für ein Quatsch. Schlimmer als die Nässe ist allerdings der Einfluss auf den Wind.

Am Anfang der Wolke nimmt er ordentlich zu, dann dreht er. Wenn die Person am Steuerrad jetzt nicht aufpasst, kann es schwierig werden. 

Am Ende der Wolke ist auch der Wind zu Ende. Der Seegang rollt uns durch, die Segel stützen nicht mehr sondern schlagen wie bescheuert nervig ins Leere.

Nach ca. 10 Minuten etabliert sich der alte Wind wieder. Bis zur nächsten Wolke.

Dieses Schauerwetter hatten wir eine Nacht lang, bevor uns steter Nord Nordost die letzten paar hundert Meilen trägt. Am Ende der 4. Nacht taucht Porto Santo auf. Eine große Delfinschule und die wärmende Sonne begrüßen uns.

Noch 30 Meilen. Der Wind dreht nochmal ordentlich auf und als wir auf die Ostspitze von Madeira zu preschen, steigt vor uns eine schwarze Wand aus dem Wasser und fällt mit einer explosionsartigen Gischtwolke zur Seite. Eine Gruppe springender Buckelwale. Da bleiben Münder offen.

Gegen Mittag liegt Prainha, der Strand von Manuel und Monica querab, wildes Gewinke und  Gehupe. Wir laufen im Yachthafen Quinta do Lorde ein. Können es noch nicht fassen, dass wir wirklich nach Madeira gesegelt sind. Darauf erstmal einen Rum. Oder Zwei.

Eine Antwort zu „Die erste lange Atlantikpassage”.

  1. Hej ihr Lieben, was für tolle Eindrücke. Danke dafür, ihr macht es richtig! Freue mich für euch. Ganz liebe Grüße, Annette und family

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