Noch 4 Kanarische Inseln. Sehr schön bis brauchtmannicht.

Die Überfahrt war nass, wild und schnell. Mit mehr als 7 Knoten im Schnitt preschen wir von Teneriffa nach La Palma, die Schöne. Zwischen den Inseln der Kanaren wird der ohnehin mit  5 Bft wehende Passat noch beschleunigt und pustet dadurch richtig. Unter diesen Bedingungen sind 50 Meilen ein Katzensprung. 

Es erwartet uns der Luxus eines reservierten Platzes. Freundlich werden wir empfangen und an einen sehr schönen Steg geleitet. Erste Erkundungen der Stadt erfüllen uns mit Freude, sehr charmant mit herausgeputzter historischer Bausubstanz. Viele Restaurants.

Diese Insel ist so viel grüner und üppiger als Teneriffa.

Wir beschließen, uns zwei Autos zu mieten um 3 Tage die Insel zu erobern.

Schon beim morgendlichen Café an der Strandpromenade machen wir die erste spannende Bekanntschaft. Adoni der Baske. Ein unglaublicher Styler am Tisch neben uns, der mit allen Personen sofort lebhaft palavert. Und dann spricht er uns auf deutsch an. Also palavern wir auch lebhaft und verabreden uns für den nächsten Tag. Er ist Fremdenführer und will uns sein geliebtes La Palma näherbringen.

Aber jetzt Ausfahrt Nummer 1.

First Stopp ist ein Regenwald. Harte Wanderung zu einem Wasserfall, obwohl eigentlich nur Jespers Schnurrbart hart anzuschauen ist.

2. Stopp sind natürliche Badebecken inklusive anbrandender Wellen. Was für eine Gaudi.

Dann Tapas auf dem Balkon eines kleinen Restaurants am Meer.

Zurück auf Aurora wird das Kino geriggt und die Derbyklatsche für den HSV gefeiert. Forza St. Pauli!!! Abschließend ein Essen im kleinsten Restaurant der Kanaren. Bei Carmen. Wie in ihrem privaten Esszimmer, was nur vier Tische hat, werden wir von vorne bis hinten umsorgt und kulinarisch verwöhnt.

Was für ein Tag.

Frühstart. Wir treffen Adoni um 7:30 Uhr in einem Café. Fahren über/durch die Berge auf die andere, immer sonnige Seite. 5 Stunden dauert die Wanderung in den Calderao Verde, Kessel des größten Vulkans der Insel. Immerhin ist der erloschen. Nicht so der neue Kegel bei Los Lianos de Aridane, der im Frühjahr Leid und Verwüstung gebracht hat. Aus dem qualmt es noch, was uns Adoni genauso zeigt. Genauso wie Nicht-Touristen-Restaurants und eine herrliche Sonnenuntergangsbar.

Erst um 22:30 Uhr liefern wir ihn zuhause ab und fallen in unsere Kojen.

Ein Markt, ein nur über eine 300 Höhenmeter überwindende Trampeltreppe zu erreichendes Piratennest mit schwarzem Sandstrand (heiße Füße) und irrwitzig schmale, steile Straßen bestimmen unseren letzten Tag auf dieser schönen Insel.

Die Überfahrt nach La Gomera am nächsten Tag findet komplett ohne Wind statt.

Und ohne Hafen der Platz für uns hätte. Also fällt nach 45 Seemeilen der Anker vor Puerto de Vuelas, bei Valle der alten Hippihochburg. Die alternden Hippies treffen wir am nächsten Morgen im Café am Hafen. Immer noch lustig bunt angezogen unterhalten sie sich über ihre Nachbarn und Alterungsbeschwerden. Natürlich auf Deutsch.

In Valle- Wanderung, Dorfbummel und Auroraschrauben- variiert die Tagesgestaltung. Unterbrochen von ausgiebigen Schnorchelausflügen. Die Bucht ist voller Rochen und bunter Fischchen.

So halten wir es auch am nächsten Tage, den wir einfach am Anker hängenbleiben.

Erst der durchaus unhübsche Hafen von San Miguel auf Teneriffa kann uns tags drauf einen Liegeplatz bieten. Den nehmen wir gerne als Stop-Over auf dem Weg nach Gran Canaria.

Die 40 Meilen beginnen wir im Sonnenaufgang, um sie nach 2 Stunden Motorflautenfahrt für einen ausgedehnten Bade- und Frühstücksstopp zu unterbrechen.

Tatsächlich kommt später Wind auf und wir rauschen unter Vollzeug über die Meerenge.

In San Miguel bleiben alle an Bord. Hier will keiner an Land. Wenigstens schaukelt es nicht.

Der Abschied von Teneriffas Südküste fällt nicht schwer. Hotelburgen wechseln sich mit Resorts und ausgedörrten Karsthängen. Nur ab und an eine grüne Oase. Golfplätze trotz Wasserknappheit gepäppelt.

Freudig nehmen wir die 50 Meilen gen Puerto de Puerto Rico in Angriff.

Dort erwarten uns diverse Crewwechsel.

Teilweise hatten wir sogar Wind. Topsegelbriese eingerahmt von Flaute.

Mit dem letzten Licht laufen wir ein.

Der Bus Richtung Las Palmas hat Platz für Chiara, Jesper und Ole. Die ersten zwei verholen sich für ein paar Tage auf ein gemietetes Sofa.

Ole holt Gyde mit ihrem Sohn Bosse vom Flughafen ab. Große Freude.

Puerto Rico ist allerdings eine mächtige Ausgeburt an Hässlichkeit.

Viele der unglaublich vielen Urlauber werden morgens auf, zu Menschentoastmaschinen umgebauten, Wasserfahrzeugen aufs Meer gefahren, dort nach Budget bespaßt und 3-4 Stunden später quietschrot wieder an Land gelassen. Wo der Rest am eingefriedeten Strand röstet und im durchmüllten Meer Wasser tritt. Herrlich.

Deshalb verholen wir trotz kompletter Flaute in die Ankerbucht von Mogán. Etwas schöner.

Immerhin mit altem Dorf in der Mitte.

Früh werden die abreisende Ida und der sie zum Flughafen bringende Tom an Land gefahren und der Anker gelichtet. Wir wollen vor der großen Düne bei Maspalomas baden und frühstücken. Das ist wirklich beeindruckend, echtes Wüstenfeeling. Wegen kompletter Windstille fahren oder schwimmen wir alle zusammen an Land. Aurora und die Düne sind ein grandioses Fotomotiv. Das Besteigen und wieder hinabrollen der Sandberge hält uns allerdings nicht lange an Land. Viel zu heiß. Und viel zu viele nackte, rote Strandläufer.

Von denen begleitet wandert Tom 3 Kilometer am Strand entlang zu uns. Wir retten ihn.

Unser Ziel Posito Blanco ist wieder eine Ferienanlage mit Privat Marina und recht geschützter Ankerbucht. Und Busanbindung. Die brauchen wir morgens da Carola und Niko aussteigen müssen. 2 Stunden vor Jan/Bombe. Den fahren wir vor Maspalomas an Land. Wollen wir auf jeden Fall, aber der Schlauchbootmotor geht nicht an. Vorteilshaft kommen zwei Bay-Watch-Männer auf einem Jetski, übernehmen unseren Abreisenden samt Gepäck und fahren ihn an Land. Tom muss leider zurück rudern.

Flaute, Flaute, Flaute. Einige hundert Runden UNO auf der Ruderbank später laufen wir in Taliarte ein. 8 Meilen vor Las Palmas. Aber die erlauben uns nicht anzulegen. Wir sammeln nur schnell Chiara und Jesper von der Pier und dampfen weiter zur Hauptstadt. Die hat zwar einen riesigen Hafen aber keinen Platz für uns. Die ARC, betreutes Segeln in die Karibik, blockiert die Plätze. Egal, es gibt vorm Hafen eine geschützte Ankerbucht. Die nehmen wir mit hunderten Anderen. Uns bleibt fast eine Woche. Die angesagten Nicht-Winde und der Mangel an geschützten Buchten ist der Grund. Also, viel Arbeiten am Schiff vor der nächsten großen Passage. Viel Laufen durch die Stadt.  Viel Einkaufen. Und ganz viel Strand und Baden. Gyde, Bosse und Ole bauen jeden Tag Staudämme, die jeden Tag von der Flut zerstört werden. Wir sind einfach keine Holländer.

Da am 30. abends Lotta, Hauke und Arwed anreisen, gehen Gyde, Bosse und Ole für eine Nacht ins Hotel, bevor Ole die beiden am 31. ins Flugzeug nach Hamburg setzt.

Jetzt ruft der Atlanik.

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