Las Palmas de Grand Canaria bis Mindelo, Sao Vicente, Kap Verden

Nach letzten Besorgungen in Las Palmas, dem Farewell der alten Crew, dem Einzug der neuen Crew und einer letzten Stärkung in einem der vielen hafennahen Restaurants, konnte die Aurora mitsamt 7 köpfiger Crew den Klüverbaum Richtung Kap Verden richten. Mit gut 800 Seemeilen, sollte es das bisher längste Seestück werden.

Für das ungeübte Auge mag das Auslaufen in die sich schnell ausbreitende Dunkelheit chaotisch gewirkt haben. Für das geübte auch.
Da die Crew der Aurora diese Herangehensweise aber perfektioniert hat, kamen in der verbliebenen halben Stunde Licht, keine Probleme auf. Das Deck wurde aufgeklart; letzte Anrufe getätigt; Großsegel, Fock und Klüver gesetzt und die Wachen auf- und eingeteilt. Letzteres nach einem, für uns, ganz neuen System. Die frisch eingetroffenen Leichtmatrosen Hauke (Bruder von Ole), Lotta (Tochter von Hauke) und Arwed (Freund von Hauke und mittlerweile allen von uns) heben die Crewstärke nun nämlich auf 7 Personen an.

Jede/r absolviert 4 Stunden Wache, 2 Stunden mit der Vorgängerin und die letzten 2 Stunden mit dem Nachfolger. So hat jede/r nach 4 Stunden Wache, 10 Stunden Pause, Luxus!
Wie dem auch sei, wir 7 holgern also Raumschots in die Nacht hinein. Erst ein ganzes Stück Östlich um dem Windschatten der Insel zu entkommen. Entspannte Nacht und entspanntes Umbauen der Segel am nächsten morgen. Die bereits getesteten Passatsegel werden gesetzt und wir lassen uns vor Wind bei 4-5 Windstärken mit 5-6 Knoten Südwärts wehen. Einzelne Sichtungen von Fliegenden Fischen heben die Stimmung, jedoch kann sich keiner ausmalen, was diese kleinen Racker uns noch für Freuden bereiten werden. Die nächsten 2 Tage perlen dahin. Die Angel wird nur gewaschen und die 2 Fische, welche nachts an Deck hüpfen, werden zu spät gefunden, als das man mit ihnen etwas anfangen könnte.

Dann jedoch bricht der dritte Tag an!
Als ich nach 9 Stunden schlaf, Luxus, um 8 Uhr zu meiner Wache erscheine, zeigt sich mir ein neues Bild. Die Aurora prescht bei 6 Windstärken mit 6-7 Knoten südwärts und treibt nicht nur eine große Bugwelle vor sich her. Überall um uns herum fliehen fliegende Fischschwärme vor uns und liefern ein Bild, was selbst die größten Ignoranten nicht kalt gelassen hätte. Die vier Kamikaze-Piloten, die es nachts nicht über die Aurora hinweg geschafft haben werden von Hauke ausgenommen und in Olivenöl, Knoblauch und frischen Kräutern für das bevorstehende Frühstück zubereitet. Das Leben ist herrlich! Und schon kurz nach dem Frühstück wird es noch besser. Der Bissanzeiger, ein an der Angelschnur befestigtes Gummiband, dehnt sich auf dreifache Länge und lässt vor allem Jespers Angelherz ein wenig schneller schlagen. Der gehakte Mahi Mahi wird an Bord gekämpft, bewundert und in Steaks verarbeitet, von welchen wir uns für die nächsten 2 Tage ernähren können. Ein wirklich sehr schönes Tier. Wie auch die fliegenden Fische. Beeindruckende Produkte der Natur und Evolution. Speziell Hauke ärgert es, sie immer erst nach verlorenem Kampf, tot an Deck aufzufinden, das muss doch anders gehen. Und da es bei uns ja bekanntlich gerade lief, wird auch dieser Wunsch in nicht allzu ferner Zukunft erfüllt werden. Nach dem Sonnenuntergang, welchen wir alle zusammen singend und Gitarre spielend auf dem Achterdeck verbrachten, ging die Zeit der Fische wieder los. Mit zunehmender Dunkelheit, verlieren sie ihre Orientierung (logisch, ist bei uns ja nicht anders) und es kommt zu Bruchlandungen an Bord. In dieser Nacht entscheiden sich jedoch fast alle Fische, Backbord vor dem Steuerrad zu landen, wodurch Hauke in seinen 4 Stunden Wache, 7 Fischen die Freiheit wieder geben kann. Die Freiheit wiedergegeben wurde sogar dem Kollegen, welcher sich als Landeplatz die Wange des Kapitäns ausgesucht hat. Allerdings mit kurzer Verzögerung wegen Schreck und so.
Der nächste Tag war wie alle anderen und bis auf eine Pilotwal Sichtung gab es keine

besonderen Vorkommnisse. Um 10 Uhr Frühstück (natürlich mit Fisch), anschließend Kraftsport auf dem Vorschiff und Körpergewichtsübungen auf dem Achterdeck, Kaffee und Kekse zum Nachmittag und ein mega leckeres Curry um 18 Uhr kurz vor der Dunkelheit. Zwischendurch viel Lesen und Austauschen über die neu erlernten Sterne und Sternbilder aus der letzten Nachtwache.

Als sich die Crew am nächsten Tag nach dem Frühstück auf dem Achterdeck gesammelt hatte, konnte das tägliche Sporttreiben beginnen. Die sog. „Bring Sally Up Challenge“ zu dem Song „Flower“ von Moby. 4 Minuten Liegestütze… Die zweite Gruppe war gerade erst bei der Hälfte des Songs, als es plötzlich aus Arwed herausbrach: „WAAALL, ganz groß, direkt neben dem Schiff!!!“ Die nächsten 2 Stunden war an keine Liegestütze mehr zu denken. Wir bestaunten einen ca. 14 Meter langen Finnwal namens „Sally“, wie sie sich Aurora immer wieder von achtern näherte, auf dem Rücken in einer Welle vorbei surfte und kurz untertauchte, nur um Schwung für den folgenden Sprung zu holen. So beobachteten wir Sally mehrfach dabei, wie sie ihren monströsen Körper fast komplett aus dem Wasser wuchtete und anschließenden mit einem kolossalen Platschen wieder in die Wellen eintauchte. Ähnlich eindrucksvoll wie das Gebäude der Bundesbehörde in Lissabon. Wahnsinn!

Auch die nächsten Tage waren herrlich und auch hier wurde wieder Sport getrieben, allerdings ohne Unterbrechungen, schade. Stattdessen ließ der Wind etwas nach und wehte vor allem Nachts nur noch mit 2 oder 3 Windstärken. Die Etmale (zurückgelegte Distanz von Mittag zu Mittag) schrumpften erstmals unter 100 Seemeilen und die flappenden Segel hebten die Stimmung nicht gerade an. Ein Glück, dass wir alle so guter Dinge waren und uns auch nach mysteriösen Bootsichtungen bei Nacht immer noch nicht die Stimmung verhageln ließen. Besagtes Boot näherte sich ohne AIS (Automatic Identification System) auf wenige hundert Meter, richtete seine Scheinwerfer auf uns und verschwand anschließend so schnell wie es gekommen war. Auch die spontan einberufene Krisensitzung konnte keine qualitativeren Mutmaßungen als „Piraten?“ hervorbringen

Der Wind sollte erst 2 Tage später wieder zunehmen, als an Deck der Aurora der Ruf „Land in Sicht“ schon längst vom Winde verweht wurde. Zwischen den Inseln Santo Antão und Santo Vicente verdoppelten sich die angezeigten Knoten unseres Windmessers und ermöglichten uns ein Einlaufen, wie es sich für eine solch schöne, spannende und entspannte Überfahrt gehört. Angekommen in der Bucht von Mindelo, präsentierte sich die Hafenstadt im Licht des bisher schönsten Sonnenunterganges und ließ die Vorfreude auf das Erkunden der Stadt und der Kapverdischen Inseln nochmal steigen. Erstmal mussten wir uns allerdings mit dem gucken aus der Distanz zufriedenstellen. Der Hafen kann uns erst morgen willkommen heißen. Kein Problem, die Crew genoß ihren wohl verdienten „Überfahrts-Rum“ am Anker und schwelgte über eine Schüssel Pasta Pesto in den Erlebnissen der letzten Tage und den Vorfreuden der kommenden.

Bis in 3 Wochen!!!

Eine Antwort zu „Las Palmas de Grand Canaria bis Mindelo, Sao Vicente, Kap Verden”.

  1. Avatar von Katrin Langowski
    Katrin Langowski

    Ich wünsche euch eine tolle, erlebnisreiche, sichere Überfahrt! Vielen lieben Dank für eure schönen Berichte, ich lese sie so gerne und freue ich immer auf Neuigkeiten von euch.

    Liebe Grüße, Katrin

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