Bergfest, Geheimzeremonien mit Badefest und eine stille Geburtstagsfeier

Passatsegeln vom Feinsten. Wind genau von hinten und konstante 3 – 5 Windstärken. So soll es sein. Nach 9 Tagen und 4 Stunden erreichen wir auf Position 13°15,68´N und 042°24,90´W den Mittelpunkt unserer Atlantikpassage. 1006 Seemeilen im Kielwasser. 1006 Seemeilen vor der Klüverbaumspitze. Zur Feier des Moments werden die Segel geborgen. Aurora rollt wild in den Wellen. Macht nichts, wir wollen baden. Doch der Weg ins tiefe Blau wird plötzlich von 2 Gestalten versperrt. Es folgen 20 Minuten, von denen ihr Landlubber nie etwas erfahren werdet. Nur so viel, dass das Bad danach wirklich gut und nötig war. Das Blau von Deck aus zu sehen ist jedes Mal überaus beeindruckend. Darin zu schwimmen, durch die Tauchmaske in die Tiefe zu schauen, ist pure Magie. Nebenbei befreien wir unseren Hydrogenerator von ca. 25 Kilo Sargasso Seetang. Jetzt kann er wieder Strom liefern. Bis zum nächsten Tangfeld. Morgen. Nun aber erstmal Segel wieder hoch und nach einem gemeinschaftlichen Fläschchen Underberg weiter gen Westen. Der Wind wird immer lahmer und der Wetterbericht verkündet es: Der Passat schwächelt und setzt aus. Wir werden einige Tage sehr wenig Süd- Südost bekommen. Am Morgen bergen wir das Backbord-Passatsegel, ziehen Großsegel und Big Mama (79qm Ballonklüver) hoch. Da wir nun nicht mehr vor dem Wind segeln hört die Aurora auf zu rollen und zieht friedlich dahin. Sehr angenehmer Kontrast. Allerdings werden wir immer langsamer. Perfekte Bedingungen für einen kleinen Drohnenflug. Das Gerät verspricht 100% Leistungsfähigkeit und steigt auf in den Himmel, filmt die gen Sonnenuntergang segelnde Aurora. Doch dann – Alarm! – der Aktionsradius ist erreicht, das Flugobjekt nicht mehr steuerbar und setzt zu einer autonomen Landung an, langsamer Sinkflug. Unter ihr ist allerdings nur Wasser, wir sind ja weitergesegelt. Jetzt kommt Bewegung in die Besatzung, Segel werden geborgen, die Maschine angeschmissen und eine 180 Gradwendung vollzogen. Gerade noch rechtzeitig pflücken wir die Drohne vom Himmel. Glück gehabt.

Es ist Sonntag der 4. Dezember. Simones Geburtstag. Den feiern wir mit stillem Gedenken. Mit einer Kerze. Mit erinnerungsvollen Erzählstunden. Mit einem Kuchenessen (Tom backt einen Marmorkuchen, Hauke einen Veganen Hefe-Zimt-Nusskuchen). Abends noch Gesang auf dem Achterdeck. Schön und friedlich, wie das Wetter. Jetzt, am Nachmittag des 5., Montag, ist es immer noch friedlich. Der Wetterbericht verheißt allerdings nicht das Beste. Ein Sturmtief liegt südlich des Azorenhochs und zertrümmert den Passat. Da gehört es zu dieser Jahreszeit nicht hin. Am Donnerstag soll es wegziehen, zum Glück wohl nicht zu uns. Bis mindestens dann werden wir uns in Geduld üben müssen. Es sind auch nur noch 870 Meilen und wir haben genug zu essen.

2 Antworten zu „Bergfest, Geheimzeremonien mit Badefest und eine stille Geburtstagsfeier”.

  1. Schön, von euch zu hören (lesen). Das Tief 928 im Mittelatlantik zieht ja glücklicherweise in nordöstlicher Richtung ab. 6-7 Bft. etwas vorlicher als halb und eine nicht zu knappe Welle von vorn werden euch aber wahrscheinlich noch erwischen. Aber damit werden gestandene Seefrauen und – Männer fertig! Ahoi und weiterhin Mat- und Schotbruch!

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  2. Hey Blaubadenden! Ihr macht es uns Landlubber aber mächtig spannend. Gibt bestimmt jetzt Weihnachtswetten im Stichlingschwarm was euch widerfahren ist.
    Bin gestern an dem Sturmtief entlanggeflogen. Oder eher obendrauf. Möge es euch nicht erwischen. In Barbados erwacht gerade der Tag und ich werde die Gegend erkunden. So viele ungewohnte sounds die nicht menschlichen Ursprungs sind. Ich geh mal ausschauen nach euch! Knutsch Uschel

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