Charly und Meme sind voller Flugangst und Restalkohol mit einer Propellermaschine entschwebt, konnten von oben sehen, wie wir die Bucht verlassen und Kurs auf Spanish Harbour nehmen. Eigentlich waren wir dort schon, es ist nicht so schön. Aber Tom hat eine Verabredung zum Essen. In einem der besten Restaurants der Karibik, mit den Füßen im Sand, Fusion- Food vom Sternekoch, wer kann da schon nein sagen. Also zieht er mit einem breiten Lächeln und Oles Kreditkarte los und hat einen großartigen Abend. Wir essen Burger in einer Bude.
Mit gefülltem Wassertank geht es weiter gen Westen, vorbei an Fallen Jerusalem, Ginger Island, Cooper Island nach Salt Island. 1867 wurde hier der Royal Mail Steamer Rhone von einem überraschenden Hurrikan auf die Klippen geworfen und versenkt. Als schön bewachsenes Wrack kann man sie schnorchelnd betrachten. Das Trümmerfeld ist riesig und trotz der langen Zeit unter Wasser kann man viel entdecken, wie ein mächtiges Ruderblatt und die Dampfkessel. Zudem werden wir von einem Hai begleitet, wahrscheinlich heißt er Kai. Als es anfängt zu dämmern verlassen wir das Naturschutzgebiet und gehen mit letztem Licht in Great Harbour, Peter Island, vor Anker. Die erhebliche Grunddünung machte den von uns angestrebten Ankerplatz in Deadman´s Bay unbrauchbar. Dabei soll hier ein Schatz zu finden sein und in den Zeiten der finsteren Piraten hat der finsterste von allen, Blackbeard, auf der vorgelagerten Insel Dead Man´s Chest, 15 Männer ausgesetzt. Mit einer einzigen Flasche Rum. Daher das berühmte Lied.












Ohne Schatz und ohne Rum, aber nach einer ruhigen Nacht, trödeln wir 4 Meilen weiter ins nächste Naturschutzgebiet. Bei ein paar garstigen Felsnadeln, den Indians, finden wir eine freie Mooring und die Muße unser Tauchequipment klar zu machen. Das Tauchprofil ist hier flach und einfach, so bekommt Lena Toms Ausrüstung und genießt ihren ersten Tauchgang. Tom begleitet uns als Apnoetaucher. Fantastisch.






Den Abend und die Nacht verbringen wir in The Bight, Norman Island. Direkt neben der William Thornton, einem Partyboot auf dem heute allerdings alles ruhig bleibt. Versuche eine Tanzparty zu starten scheitern kläglich. Worüber wir uns am nächsten morgen freuen, denn eine Schatzsuche ist in frischer Verfassung angenehmer. Vor Treasure Point erwartet uns eine Parkmooring und trotz der frühen Stunde auch viele Charterkats mit vielen Schnorchlern. Entweder haben die all das Gold schon eingesammelt oder es gab keins. In keiner Höhle finden wir eine Unterstützung für unsere Reisekasse, Mist. Also Diesel sparen, Segel hoch und nach einer herrlichen Seefahrt in der billigen Village Cay Marina, Road Town Tortola anlegen. Der Teil der Stadt, den man anschauen mag, befindet sich an einer einzigen Straße. Der Rest ist unerfreulich und Kreuzfahrergetto. Aber, es gibt einen richtig guten Schlachter, einen chaotischen Supermarkt, eine Waschmaschine und einen sicheren Liegeplatz am Steg neben vielen gesunkenen Yachten, Opfern von Irma. Den brauchen wir, da wir von hier, ausgestattet mit Esta-Visa, mit der Schnellfähre nach Cruz Bay auf St. John, US Virgin Island fahren. Nach einer kurzen Prozedur erhalten wir unsere Einreisestempel und werden weiter nach St. Thomas gefahren. Hier vertrödeln wir 6 Stunden, bis uns die Fähre zurück nach Road Town bringt. Die Aussagen, ob diese Art der Visabeschaffung legal ist, variieren. Immerhin ist es legitim und verschafft uns hoffentlich die Möglichkeit über die USVI nach Puerto Rico zu segeln statt in internationalen Gewässern direkt zur Dominikanischen Republik. Mal sehen.


















Erstmal segeln wir noch an Tortolas Westseite, Sopers Hole. Hier können wir ausklarieren und im Abendfrieden unser unbeschreiblich gutes Fleisch grillen.Der englische Amtsschimmel wiehert noch etwas, durch hohes Tagestouristen Aufkommen dauert das Ausklarieren über 2 Stunden, dann jedoch setzen wir Segel gen USA. Die Seestrecken bleiben kurz, so fällt bereits mittags der Anker bei der Hafeneinfahrt von Cruz Bay und wir gehen leicht nervös an Land. Dann 10 Minuten Fragen und Stempel, das wars. Offiziell eingereist, enjoy your stay. Baff und erfreut befreien wir Aurora von der Sandbank und setzen nach St. James über, wieder nur 5 Meilen. Mit dem nun offenstehenden Puerto Rico, samt den vorgelagerten Inseln, beschließen wir den notorisch touristischen Virgin Islands bald den Rücken zu kehren, endlich wieder längere Strecken zu segeln, in einem Land mit Stolz und Kultur. Die Kultur wollen wir allerdings noch ein letztes Mal hier suchen. In Charlotte Amalie, der Hauptstadt von St. Thomas.
















Nach einem kurzen Stopp in der Honeymoon Bay auf Water Island, der einzigen Insel mit natürlichem Wasservorkommen (rund um die Insel warteten die Piraten und konnten auswählen wen sie belästigen da alle Schiffe hier Wasser bunkern mussten), auf der wir die Kultur – stehe übergewichtig bis zum Bauch (der natürlich in einem Muscleshirt in USA-Flaggen Design steckt) im Wasser und trinke Cocktails – der Amerikanischen Freizeitflotte kennen lernen, fahren wir in den Hafen der ehemals Dänischen Insel. Dänemark besaß drei größere Inseln: St. John, St. Thomas und St. Croix. Hier wurde der Dreieckshandel in Perfektion getrieben. Zuckerrohr für die Flensburger Rum Destillerien (damals Dänisch), transportiert von den Schiffen die vorher Sklaven aus Afrika geholt hatten, bezahlt mit Glasperlen und Nippes aus Flensburg. Reste der Plantagen sind heute noch zu bestaunen. Rund um dieses Geschäft prosperierte die Stadt, große und wirklich schöne Häuser wurden errichtet. Als der Gewinn aus Zuckerohr einbrach und das Besitzen von Sklaven nicht mehr so en vogue war, verkaufte Dänemark 1917 die Inseln für 25 Millionen Dollar an die USA. Die wollten verhindern, dass ein Schurkenstaat wie Deutschland ein Standbein in der Karibik bekam. Diese alten Gemäuer, steingewordene Kultur und Beweis, dass man Hurrikan fest bauen kann, beherbergen jetzt unzählige Juweliergeschäfte für die unzähligen Kreuzfahrttouries. Immerhin gibt Aurora verankert vor der Altstadt ein schönes Bild ab. Also, das war es auch nicht, tschüss Virgins. Puerto Rico wir kommen. In der Bucht von Ensenada Hunda, umschlossen von der schönen Insel Culebra werfen wir Anker. Kaum andere Freizeitboote, nur ein Charterkatamaran. Der Weg zum Amt am Flughafen führt durch eine geschäftige Siedlung, alle Menschen sind fröhlich und höflich.






























So auch der Immigration Officer, alles kein Problem und da wir uns online angekündigt hatten geht es schnell. Er freut sich über unsere gestempelten Pässe, vor allem für uns, da es ohne die Visa 645 $ Strafe gekostet hätte, pro Person. Es ist eine ganz andere Welt und obwohl es von den Amerikanern dominiert wird fühlen wir uns auf Anhieb wohl. So auch auf unserem nächsten Stopp, einer paradiesischen Bucht, Ensenada Sun Bay auf der Insel Vieques. Der palmengesäumte endlose Strand lädt ein zum Spike Ball spielen, nur beobachtet von einem alten Pferd und einigen Locals. Windstill geht der Tag mit einem farbenfrohen Sonnenuntergang, der Sternenhimmel füllt das Firmament und die Stille ist greifbar.
Die Stille, vor allem die Windstille soll leider einige Tage anhalten und so müssen wir die zunehmend längeren Strecken teils motoren, laut und teuer, Freud und Leid. Zu unserer Freude stören sich die Fische offenbar nicht an dem Lärm und auf halben Weg zum Festland Puerto Rico schnappt sich eine kapitale Pferdemakrele unseren künstlichen Tintenfisch. Filetiert ist es immer noch ein großer Haufen Fisch und so laden wir die Crew des Nachbarschiffes, Lena und Adrian, ein. Zubereitet als Braten in Kräuterkruste schmeckt sogar dieser Meeresbewohner köstlich.











Um den Kontakt zu zwei netten Menschen reicher tuckern wir im Morgengrauen hinaus in die Flaute. Wir wollen gerne 2 Tage in die Hauptstadt, also müssen wir Strecke machen, ca. 40 Meilen nach Ponce. Das alles zu motoren droht langweilig zu werden, dann allerdings springen rund um uns Buckelwale aus dem Wasser, Wind kommt auf und es wird ein fantastischer Segeltag. Der Hafen ist allerdings von den Teilnehmern einer Wettangelei überfüllt, so ankern wir davor. Mit viel Ankerkette und der Zusage eines Yachtseglers ein Auge auf Aurora zu haben fühlen wir uns sicher und fahren mit einem Mietwagen nach San Juan. 2 Tage erwandern wir diese wundervolle Stadt. Viel Geschichte, viele alte Häuser, viele nette Menschen, wildes Nachtleben, gemütliche Ferienwohnung.



































Die Rückfahrt führt uns durch bergiges Innenland samt Regenwald und wilden Flüssen.
Weiter geht’s gen Westen, ein guter Ostwind lässt uns Meilen fressen. Bei der Siedlung Paguera tasten wir uns durch die Riffe und ankern zwischen malerischen Mangroven bewachsenen Inseln. Etwas erstaunt sind wir ob der Unzahl an Motorbooten, die in großen Bündeln hinter jedem noch so kleinen Sandhaufen ankern. Überall stehen die Menschen im Wasser, trinken und lassen sich Musik um die Ohren schallen. Hinter der Karibik Idylle verbirgt sich eine Partystadt. Nach kurzem Besuch fliehen wir und Fahren mit dem Dinghi 1 Stunde bis in eine romantische Lagune die voller leuchtenden Algen sein soll. Soll, war aber nicht. Der Mond war schön.















Und die Ausfahrt aus den Riffen am nächsten Morgen. Noch ist Wind, wir schießen um die Ecke von Cabo Rojo und ankern in einer Wunderschönen Bucht. Das speziellste war ein Leguan, der zu uns schwimmt, das Wasserstack erklimmt, um Gallionsfigur zu spielen, betrachtet von diversen Optimist Jollen die uns als Wendetonne ihrer Regatta benutzen.
So vergeht der Tag bis wir in die aufziehende Nacht dampfen, wegen kompletter Flaute leider bis zu unserer Ankunft in Punta Cana, Dominikanische Republik. Ein neues Land.

Hinterlasse einen Kommentar