Wir haben eine total schöne Zeit in der Marina Puerto Plata und gucken uns 4 mal die Delfin Shows an. Dann gehen wir rutschen, duschen und trinken in der Seglerbar mit unseren neuen Freunden, Familien die seit 3 Jahren hier auf dem Schiff leben, Cocktails.
So sollte der Bericht anfangen, wäre aber gelogen. Statt dessen so:
Paula und Proviant an Bord geht es los. Knapp 200 Seemeilen bis zu der ersten Insel der Bahamas. Nachmittags und Abends weht ein schöner Wind der uns flugs in die richtige Richtung treibt, die ersten 50 Meilen bevor er sich dem Diktat des Wetterberichtes ergibt und einschläft. Weit und breit sind weder tolle Hochs noch tolle Tiefs in Sicht, die Isobaren liegen endlos weit auseinander. Woher soll der Wind kommen, die nächsten Tage? Von nirgendwo. Also Motoren wir ab 2:00 Uhr für 29 Stunden bis Great Inaqua. Hier können wir einklarieren und hoffen auf ein entspanntes Dorf mit Beachbar und Strand.






















Aber Pustekuchen, es gibt nur eine brüllheiße staubige Straße, die Tom und Ole, die Beamtensucher, längs maschieren bis ein Polizeijeep neben ihnen hält und nach ihrem Begehr fragt. Zum Glück, das Amt ist in die andere Richtung, der zuständige Officer ist aber irgendwo. Die nette Polizistin spielt Taxi, Fremdenführerin und Suchdienst in einem. Irgendwann fragt sie eine Frau vor der Wäscherei, die telefoniert zufällig gerade mit dem Imigration-Officer, der kommt daraufhin an den Hafen. Gebühren, 2 mal 60 Dollar Sonntagszuschlag ist in Bar zu entrichten, die 300 Dollar Befahrensabgabe und Angelschein können wir überweisen. Zu dem Onlineformular, dessen 5 Seiten wir bereits auf See komplettiert haben, müssen wir mehrseitige Einreisebögen ausfüllen. Aber alle Beteiligten waren sehr freundlich. Ansonsten, Geldautomat (in 1,5 Kilometer Entfernung) kaputt, der Laden und die Bar (wirklich am Strand) geschlossen. Gefühlt 100 Grad Hitze. Schnell zurück aufs Schiff, ins Wasser, wieder raus und Anker auf. Noch 9 Meilen bis in die Man ´o War Bay, hier soll es schöner sein. Haben wir nicht gefunden.





























Aber immerhin weniger weit zum Hogsty Reef Atoll, dem ersten Ziel des nächsten Tages. Dieses Naturschutzparadies liegt mehr als 30 Meilen von jedem Land entfernt, besteht aus einem ca. 200 x 50 Meter großen Sandhaufen und einem kreisrunden Riff, von ca. 4 Meilen Durchmesser. Nur bei absolut stillem Wetter zu besuchen. Daran mangelt es nicht, seit Tagen, und für mehrere weitere Tage gibt es keinen Wind. Also Anker neben den Sandhaufen geworfen und ab zum schnorcheln. Der erste Teil ist enttäuschend, sparsame Korallen und wenige Fische, dann jedoch treffen wir mehrere Haie, teils recht groß und nicht sehr scheu, sehr beeindruckend. Nach erwandern des Sandhaufens auf dem ein malerisches Wrack thront, beschließen wir, von dem weiten Weg die Bahamas hinauf etwas abzuziehen und noch eine Nacht weiter zu fahren. Natürlich ohne Wind. Der ewige Motorenlärm geht uns nicht nur auf die Nerven sondern reduziert auch den Inhalt der Treibstofftanks. So laufen wir, nach ereignisloser Fahrt durch die wolkenverhangene Dunkelheit, in Clearance Town ein. Die angefunkte Marina behauptet keinen Platz zu haben, beim Besuch ihrer Dieselpier sehen wir jedoch ungefähr 12 freie Plätze. Der unförmige, grummelige Marinamanager bestätigt, alles sei reserviert und würde sich bald füllen. Was ist los mit den Leuten? Gewöhnlich wollen alle unser Geld. Da wir noch nicht einmal zum einkaufen bleiben dürfen gehen wir leicht angefressen an den Anker. Das Wetter verschlechtert sich, ein Schauer jagt den nächsten, in der Bucht kommen kleine Hackwellen auf. Die stören Aurora nicht, machen aber den Dinghiritt zur öffentlichen Pier sehr ungemütlich und nass. Deshalb fährt Ole allein, um die Einkaufsmöglichkeiten zu erkunden. In diesem Kaff möchte man wirklich nicht tot überm Zaun hängen. Die Gebäude sind nicht nur weit voneinander entfernt und in der Ursprungsform langweilig und trist, sondern auch ungepflegt, verkommen oder verlassen. Als Attraktion wird neben der Polizeistation der Government Complex beworben. Der Laden/Bäcker hat heute geschlossen.
Also verbringen wir eine sehr unruhige Nacht am Anker, Schauerböen pfeifen durchs Rigg, Starkregen prasselt an Deck. Beim morgendlichen Kaffee hören wir über Funk von der Beagle, Alice und Uli, dass ein Officer zum einchecken bei ihnen an Bord kommen wird. Wir beschließen, da das Wetter ab übermorgen für eine Passage nach Bermuda geeignet erscheint, die Chance zu ergreifen und auszuchecken. Natürlich dürfen wir das nicht im Hafen, in den nebenbei abends genau ein Angelboot eingelaufen ist, sondern müssen mit dem Dinghi zur öffentlichen Pier. Der offizielle Akt ging dann schnell auf der Kühlerhaube des Dienstfahrzeugs.















Um unseren positiven Eindruck dieses Kaffs zu vervollständigen gab es im Laden nichts was wir gebraucht hätten. Wir hätten es aus Bargeldmangel auch nicht bezahlen können, Karte wird nicht akzeptiert, der nächste Geldautomat ist 8 Kilometer entfernt und wahrscheinlich kaputt.Außerdem war die Betreiberin mies gelaunt und extrem unfreundlich.
Bloß weg hier.
Noch ein Stop, noch eine Chance für die Bahamas. Anker auf, alle Segel hoch und in den Abend, die Nacht. Die anfängliche Freude über strahlende Sterne wird bald von großen schwarzen Wolken getrübt. Von 21 bis 23:00 Uhr blitzt es ununterbrochen in Luv, dann kommt plötzlich Bewegung in den Himmel, wir bergen gerade noch rechtzeitig die Segel bevor es richtig los geht. Harte Gewitterböen schütteln das Schiff, dann regnet es für über eine Stunde so stark, dass vom Steuerrad das Vorschiff nicht mehr zu sehen ist. Da hilft nur die Pferdestrategie: Arsch in den Wind und Kopf hängen lassen. Mit zunehmender Wetterberuhigung setzen wir nach und nach mehr Segel und erleben doch noch eine schöne Nachtsegelei bevor wir in strahlendem Sonnenschein hinter die Riffs vor George Town, Great Exuma einlaufen. Wir ankern stadtnah auf 2,2 Meter Wasser. Hier ist es schon wesentlich schöner, fröhlich angemalte Häuser, Bars und Restaurants, ein großer Supermarkt voller günstiger Angebote. Z.B. ein Kilo Kartoffeln für 12 Dollar…. einkaufen und nicht auf den Bon gucken.













Die schwimmenden Schweine, für die die Bahamas berühmt sind, gibt es leider erst 50 Meilen weiter nördlich. Das ist uns zu weit, außerdem sollen mit jedem Schwein 10 Touristen schwimmen die auch noch gebissen werden und dafür Eintritt zahlen müssen.
Bloß weg hier.
Nach einem letzten abendlichen Rumpunch an Land lichten wir den Anker und setzen Segel für Bermuda.

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