Gen Bermuda – das Wetterfenster klemmt

Mehr als 800 Seemeilen offener Atlantik liegen vor uns. Diesmal gibt es keinen Passatwind, keine dominante Windrichtung. Deswegen ist ein Wetterfenster, also eine Vorhersage mit einer möglichst langen Periode günstigen Windes, wünschenswert. 2 – 3 Tage sind meist recht verlässlich, 3 – 5 Tage trauen sich die Meteorologen bei relativ stabiler Wetterlage. Was danach kommt ist eher Kaffeesatz lesen oder Kristallkugel. 

Wir sollen mindestens 5 Tage Südsüdostwinde bekommen, also herrliche Raumschots- bis Halbwindsegelei. Essen ist genug an Bord, Trinkwasser bereitet die Seewasserentsalzungsanlage zur genüge. Die Stimmung ist gut und nachdem wir uns durch die Riffs vor Great Exuma geschlängelt haben, nehmen wir Kurs an Cat Island, der äußersten Bahamas Insel, vorbei, gen Bermuda. Sanfte raume Winde treiben uns voran, bald steigt „Big Mama“, unser Leichtwetter Ballonklüver, empor. Die Fahrt ist schnell und angenehm. In der Dämmerung beißt ein 1,11 Meter großer Mahi Mahi, eine Goldmakrele, an, frischer Fisch für 2 Mahlzeiten. In seinem Magen, von Jesper unter Supervision unserer Meeresbiologinnen untersucht, finden sich neben klassischen kleinen Fischen auch zwei Triggerfischchen, ein aufgeblasener Mini Kugelfisch und ein Seepferdchen.

Zur Nacht wechseln wir auf den normalen Klüver, auch weil es mal wieder rundherum Blitzt und dräut. Bis auf ein paar wilde Winddreher und Schauerböen bleibt es aber friedlich, recht schnell zu friedlich. Der Wind schläft fast komplett ein, so dümpeln wir mit 1,5 bis 3 Knoten durch die Nacht. Morgens geht dann nichts mehr und der Motor an, so war es eigentlich nicht geplant. Diverse Segelversuche, Segelwechsel und Nervenbelastungen später, kommt Nachmittags der Wind zurück, wir gut voran. Für 2 Stunden, dann blitzt und donnert es überall, Böen von 32 Knoten wechseln

mit Regenflauten von 1,5 Knoten, Stundenlang. Dann Flaute von vorne. Erst im Morgengrauen kehrt der gute Südost zurück, die gute Laune auch. 

So geht es mehrere Tage, Winde von überall, mal wenig, mal erheblich, viele Segelwechsel, ab und an Motor. Wir kommen aber recht anständig vorwärts. Paulas Geburtstag am Mittwoch den 19.4., natürlich gebührend gefeiert mit Kuchen und Gesang,   beschert uns einen etwas anderen Wetterbericht. Erst ein Tag Flaute, dann Gegenwind. 4 – 6 Windstärken, tagelang. Noch haben wir 300 Seemeilen, genug zu essen aber langsam wird der Dieselvorrat knapper. Also kreuzen. Tagelang. Wir schalten in den Segelmodus, die Sehnsucht nach Planbarkeit und kaltem Bier wird in den Hintergrund gedrängt, die Maschine Schiff am Laufen gehalten. Durch das wechselnde Wachsystem erlebt jede und jeder mal den Sonnenaufgang, mal den Sonnenuntergang. Regen gibt es zum Glück wenig, nur nachts ist es schon empfindlich kalt. Hier ist weder Karibik noch Barfußroute.

Etwas belastend wird es, als fast schon in Sichtweite der Insel der Wind beinahe ganz einschläft, die Wellen aber natürlich bleiben und zum direkten Motoren der Treibstoff nicht reichen würde. Also noch ein paar Stunden Schleichfahrt hoch am Wind bis in den Wellenschatten der 20 Seemeilen vorgelagerten Riffe, jetzt geht es voran, der Diesel darf auch brummen. Zur Begrüßung, während wir an grünem Land entlang schippern, kommt ein Buckelwal Weibchen mit ihrem Baby und zieht für uns eine Sprungshow ab.

Wir passieren nach 9 Tagen und 979,9 Meilen auf See den „Cut“ in die Bucht von St. George, Bermuda. Die Immigration hat auf uns gewartet, klariert uns schnell und freundlich ein, der Hafen bietet uns einen freien Pierplatz. Keine Bewegung mehr im Schiff.  Passagenrum. 

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