Azoren – Ein würdiger letzter Stopp

Mit dem Umrunden der Halbinsel sehen wir den Mastenwald hinter der Mole auf uns warten. So viele Schiffe auf einem Haufen hatten wir ewig nicht gesehen.
Leider heißt das für uns auch, dass kein Platz für uns in der Marina ist. Also ab an den Anker. Was ein Gefühl, nach so einer langen Passage. 21 Tage und
2146 Seemeilen später schmeckt der Passagenrum auf dem Achterdeck besonders gut. Direkt im Anschluss das übliche Prozedere. Boot aufbauen und Capitano und
Juniorcapitano an Land, um uns beim Hafenmeister und der Immigration anzumelden. Auch der bestätigt uns noch einmal, dass es noch keinen Platz für uns gibt.
Frühstens in einer Woche heißt es. Das hält uns aber nicht davon ab mit der ganzen Crew ins Dinghi zu springen, um neues Land zu beschreiten.

Recht schnell führt uns unser Weg zum berühmt berüchtigten Peter Café Sport und wir haben das wohlverdiente Anlegecaneca in der Hand. Direkt werden erste
Bekanntschaften geschlossen und der Grundstein für eine intensive Zeit in Horta ist gelegt. Nach einem Aufbauburger zieht es uns weiter durch die Stadt in
Tom’s Stammbar aus High Seas High School Zeiten. Porto Pim. Eine Bar, wo sich hauptsächlich Locals ihr Caneca für 2,50 Euro (8 euro weniger als auf Bermuda)
erwerben, mit welchem sie sich dann an der Mauer lehnend den Blick über die Bucht genießen können. Wir machen es Ihnend direkt nach und es ist herrlich.
Auch hier wird sich wieder getroffen.
Alte Bekannte aus Bermuda, bis hin zu den Kap Verden sind ebenfalls da und es entsteht ein großes SeglerInnenpulk, was nun für den weiteren Abend bestehen bleiben
wird. Dann der große Schock. Zwischen zwei Canecarunden fehlt plötzlich Tom’s Portemonaie. Niemand hat es eingesteckt und auch sonst hat es niemand gesehen.
So beginnt für Tom ein wildes Abenteuer. Auf der Suche nach der Polizeiwache wird Tom von zwei netten Portugiesen in ihrer Klapperkiste aufgegabelt. Mit
Abstecher zur Polizeistation geht es nun über die ganze Insel. Besondere Attraktion, wie Tankstellen und das Haus des örtlichen Dealers werden besichtigt bevor
Tom Stunden später bei Peter wieder auf die Meute trifft. Porto Pim hatte bereits geschlossen.

Der zweite Peterbesuch des Tages beschwerte uns das Wiedersehen mit Ute und Antoine, die wir bis jetzt nur als „Die Deutschfranzosen von der Kubilai“ kannten.
Erstmals werden wir Zeuge von Peter’s Schließritual, welches ehrlich gesagt ziemlich mau ist. Zum Gück gibt es noch die Chinese Bar. Eine riesige Gruppe Segler
und Seglerinnen macht sich auf den Weg in diese sehr schröddelige, aber immerhin noch offene letzte Kneipe. Hier endet der Abend. Wir haben uns schnell
eingelebt.

Es bleiben 2 Tage bis Anneke gen Heimat aufbricht, Paula das Schiff verlässt und zu einer Freundin vor Ort zieht und Niko an Bord kommt. Diese verbringen wir
mit dem Durchschlendern von Horta, dem Besteigen der zwei kleinen Berge direkt bei der Stadt, in einem sehr netten Tapasrestaurant und natürlich bei Peter.
Dies wird deutlich vereinfacht, dadurch, dass wir schon am 2. Tag doch einen exzellenten Liegeplatz an der Innenseite der Marina kriegen.
Apropos Peter. Das ist auch der Name eines Franzosen, welchen Tom und Ole auf ihrem allerersten Landgang kennengelernt haben und der da schon das Interesse an
einer Mitfahgelegenheit nach England bekundet hat. Peter/Pierre gesellt sich immer öfter zu uns, bevor er bereits eine Woche vor Abfahrt die Steuerbordkoje in
der Messe bezieht.

Es ist ein komisches Gefühl, als Paula und Anneke, die uns nun lange begleitet haben, Paula ist diejenige, die am längsten am Stück mit uns gesegelt ist,
nicht mehr da sind. Außerdem bringt es das Männer/Frauen- Gleichgewicht total durcheinander. Auf einmal ist es 5:1. Zum Glück hat Chiara noch Viki,
ihre Tauchfreundin aus Hamburg, die nun auch regelmäßig mit uns durch die Bars zieht und uns sogar für einen Tag ihre Waschmaschine benutzen lässt. Außerdem
ist Paula ja noch vor Ort und schaut regelmäßig auf dem Schiff und vor allem bei Peter vorbei.

Während des zum Teil ewig erscheinenden Wartens auf den Wind lernen wir noch ganz viele neue Menschen kennen. Unter anderem wird die Hoompa-Gang (inspiriert
durch einen überdemensionalen und nicht sehr vielsagenden Aufkleber auf der Bar bei Peter) gegründet. Teil davon ist außer uns die Crew eines dänischen Schiffes.
Kapitän Joakim, Luise, Emma aus Aarhus, Laerke, Schulfreundin von Emma, Rosa und Christian, der Amerikaner mit dem Riesenschnauzer.

Als wir beschließen, dass wir Horta nun ausreichend besichtigt haben, zieht es uns auf die Nachbarinsel, Pico. Wir fahren mit der Fähre rüber, wobei die dänische
Crew von Christian würdig vertreten wird. Wir werden Zeuge der Sonntags-Kirchzeremonie mit großer Blaskapelle und vielen aufgebrezelten PortugiesInnen. Danach
führt uns Niko von Pico zum Weinmuseum, wo wir sehr viel über die traditionelle Weinproduktion auf Pico erfahren. Dieser Wein wird immernoch produziert, allerdings nicht
mehr ganz so, wie im Museum dargestellt. Bevor wir wieder auf die Fähre steigen genießen wir die Atmosphäre auf dem Dorfplatz bei einem Caneca und einem Glas Wein.

Lange haben wir auf den Wind gewartet, nun kommt er im Überschuss aus der falschen Richtung. Die 85 Ankerlieger, zu welchen wir denken, uns nach der Vertreibung
von unserem tollen Liegeplatz durch den Eigentümer, auch zählen zu müssen, klötern schon beim Vorgeschmack des eigentlichen Tiefs durcheinander. Wir haben
wieder Glück und nach langem Nerven des Hafenmeisters verschafft dieser uns einen neuen Liegeplatz an der Commercial Pier. Von hier aus proviantieren wir das
Schiff neu, erledigen letzte Arbeiten, wie das Tauschen von Annoden am Rumpf und retten abtreibende Ankerlieger durch schnelles Verständigen der umliegenden
Schiffe mit dem Dinghi.

Nun sagt auch das professionelle Routing von Antoine, welches er netterweise für uns macht, schöne raume Winde voraus und wir planen den letzten Abend, bereit die
Azoren hinter uns zu lassen.

Nach dem Motto, was mit einem Knall anfängt muss mit einem Knall enden, feiern wir mit der Hoompa-Gang unsere private Bad Taste Party in Mitten der anderen SeglerInnen.
Erneut enden wir in der Chinese Bar. Der Abend ist bezeichnend für unsere Zeit in Horta. Sehr nett und gesellig aber auch nicht wirklich gesund.

Mittwoch, 07. Juni, Tag der Abfahrt. Wir gehen auf einen letzten Burger zu Peter und bringen einen alten Aurora-Stander mit, welchen der Chef höchstpersönlich zwischen
den andere Flaggen platziert.

Damit ist alles erledigt. Ahoi und los geht’s.

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