Paul ist an Bord, die Tanzbeine sind wieder ausgeruht und es geht endlich final raus aus der Marina von Largs. Und weil es uns dort so gut gefallen hat, geht es wieder nach Arran. Dieses Mal aber an die Nordwestecke, ins Loch Ranza. Es war schöner als es klingt! In der letzten Woche, so wurde uns erzählt, wurden vor der Nordküste Arrans Orcas gesichtet. Das war total aufregend und wir hielten Augen und Ohren während des ganzen Segeltags offen. Aber leider vergeblich. Kein Orca in Sicht.


Dafür war es im Loch Ranza, einer kleinen Bucht mit einem Mooringfeld sehr idyllisch und sonnig. Wir konnten endlich mal wieder morgens nach dem Aufstehen baden. Das Wasser war zwar kalt, aber deshalb auch sehr erfrischend.




Wach konnten wir in den Tag starten. Wir hatten eine 24 Seemeilen bis nach Campbeltown vor uns, von wo aus wir am nächsten Tag die Irish Sea überqueren und nach Nordirland segeln wollen. Campbeltown hielt einige merkwürdige Ereignisse bereit, von denen euch Paul demnächst berichten wird.



Der Wind kam nach vormittagiger Flaute bis Sanda Island aus Nordwest mit bis zu 7 Windstärken. Raumschots, auf unserem Lieblingskurs, rasten wir mit bis zu 9 Knoten Richtung Bangor. Das hat Spaß gemacht und wie Paul sagen würde: „Der Adventure-Faktor war hoch“.




Wir laufen um 19:30 Uhr durchgepustet, glücklich, aber sehr hungrig in die Marina von Bangor ein und suchen uns sobald die Leinen fest sind etwas zu essen.
Am nächsten Tag wollen wir einen Städtetrip nach Belfast machen. Paul, ein vorbildliches Crewmitglied, hatte extra für die Bahnfahrt ein Referat vorbereitet, welches uns auf die Stadt mitsamt ihrer Vorgeschichte aus der Bronzezeit einstimmen sollte.

Gespannt, neugierig und wieder mal vor allem hungrig steigen wir aus dem Zug. Wir haben es gewagt ohne Frühstück das Schiff zu verlassen und sind nun (zum Teil schon etwas Hangry) auf der Suche nach einem Frühstückslokal was für alle passte. Das war gar nicht so einfach und manch einer hätte das süße, authentische italienische Lokal mit den hübschen goldenen Stühlen dem rustikalen, durchaus durchschnittlichem English Breakfast vorgezogen… Am Ende sind aber doch alle satt und zufrieden und die Stadtbesichtigung kann endlich losgehen. Wir schlendern durch die Fußgängerzonen, merken uns die guten Pubs für später und laufen ins Titanic Quater. Hier war früher die Werft in der die Titanic gebaut wurde und heute ein wahnsinnig touristisches, unauthentisches und nicht sehr geschichtliche ansprechendes Museum steht.


Wir entscheiden uns dagegen hineinzugehen und kehren stattdessen in die Innenstadt zurück, zu dem „coolen alten Pub an der Ecke“. Hier gibt es endlich Guinness. Auch der Kapitän trinkt Guinness, was den und die ein oder andere Leser*in jetzt wahrscheinlich stutzig macht…




Und dann kommt noch ein Geniestreich. Wir hatte mit Entsetzen festgestellt, dass unsere reichlich mitgenommenen Kniffelblöcke sich doch schneller dem Ende neigen als kalkuliert. Das Erschreckendste daran war der Papierverbrauch. So konnte es nicht weitergehen. Also nahmen wir in weiser Voraussicht ein USB Stick mit einem Kniffelblatt mit und gingen in den ersten Copyshop um dieses drucken und laminieren zu lassen. Dazu noch ein Klemmbrett und ein Folienstift und schon kann gekniffelt werden bis zum Umfallen. Ein voller Erfolg!
Um diesen Erfolg zu feiern, besuchen wir noch drei weitere Pubs und fahren schließlich erschöpft von den vielen Eindrücken und dem ganzen Rumgelaufe zurück zum Schiff, wo wir müde in die Koje fallen.
Wir schreiben den 21. Juli, als wir aus Bangor auslaufen und Kurs auf das kleine Fischerdorf Ardglass nehmen. Unterwegs zaubern Paul und Jesper uns ein hervorragendes Chilli Sin Carne, was uns für die etwas beschwerliche Suche nach einem Liegeplatz stärken soll. Der Yachthafen ist sehr klein und wie es nun mal ist macht keine Bavaria Anstalten uns ein wenig Platz zu machen. Also müssen wir uns, wie es sich eigentlich für Fischkutter gehört, in den Fischereihafen legen. Erst nachdem wir schon einige Minuten das ölige Dreckswasser im Hafenbecken gequirlt haben, während sich vier Seehunde in eben diesem Schmodder suhlten, gibt uns ein Fischer ein Zeichen, dass wir an einem grünen Kutter etwas weiter drinnen festmachen können.


Beim Leinenfestmachen rutschen wir zwar auf Schollen aus und werden von zwei etwas gerupft aussehenden Graureihern schief angeguckt, trotzdem sind wir froh über den Platz und sehen uns erstmal etwas im Dorf um. Wir finden einen Pub, der das Viertelfinale der deutschen Fußballfrauen zeigt und lassen uns in die herrliche bequemen Ledersofas fallen. Tom bestellt eine Cola. Das erste Indiz, dass eine unruhige Nacht bevorstand. Leider hatte er sich einen Infekt eingefangen und muss so die meiste Zeit an Deck verbringen. Dafür entgeht ihm kein Detail der lauten, stinkenden, vollgeladenen Fischer, die um 2 Uhr nachts einlaufen und anfangen ihren Fang zu verladen. Insgesamt eine nicht sehr erholsame Nacht, die sowieso um 5 Uhr enden sollte, weil es dann Zeit zum Auslaufen war. Das Ziel für heute: Dublin.
Auf der langen Motorfahrt, wir vermissen den Wind sehr, telefonieren wir die Häfen in und um Dublin ab, aber es scheint alles voll zu sein. Die letzte Möglichkeit ist Howth, wo wir auf gut Glück einlaufen und tatsächlich den letzten freien Platz ergattern. Leider mussten wir um in die Yachtbox adequat reinzupassen den Klüverbaum einholen. Das was zwar ein ziemlicher Akt, aber es hat sich gelohnt. Howth hielt außer des Liegeplatzes auch einen wunderschönen Cliffwalk mit Blick auf einen Leuchtturm, leckere Pizza und eine Bahnstation, von der aus man nur 30 Minuten nach Dublin City brauchte, bereit.


Das Schiff im sicheren Hafen wissend, machen wir uns am nächsten Tag, Samstag der 23. Juli, auf den Weg nach Dublin. Wieder gibt es ein Referat über die Stadt, gehalten von Paul und Chiara, welches die Vorfreude ins Unermessliche steigen lässt. Dublin enttäuscht uns kein Stück. Zwar ist es überall sehr belebt und voll von Menschen, was den ein oder anderen Seebär etwas überfordert, trotzdem gefällt uns die Stimmung sehr. Wir machen ein wenig Sightseeing, ein paar Besorgungen und natürlich… Pubscouting. Das Guinness schmeckt hier in Dublin noch besser als sowieso schon und wir wundern uns nicht über den Fakt, dass in Dublin PRO Tag 10 Millionen Pints Guinness produziert werden. Trotzdem ganz schön viel, wer soll das denn alles trinken?






Noch am Abend heißt es Abschied nehmen von Paul, der um 4:30 Uhr vom Taxi abgeholt und zum Flughafen gebracht wird. Es war sehr schön mit dir!!

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