Campbeltown – eine Glosse von Paul S.

Schottische Hafenkidz, blinde Segelbootschmuggler und Kegelrobben im Pub wie passt das zusammen? Das möchte ich euch kurz erzählen.

Campbeltown begrüßte die Aurora wie man sich ein schottisches Fischerörten vorstellt: grau aber ganz hübsch. Im Hafen warteten, neben einer vollen Marina, auch schon ein paar knuffige Kegelrobben, ein einladender Fischer-Pier zum anlegen und eine Horde spielender Kidz auf uns.

Wir machten fest, wärmten die gekochten Nudeln auf und suchten den Hafenmeister, aber fanden ihn nicht. Soweit so gut…

Es setzte eine Phase merkwürdiger Ereignisse ein, die sich rückblickend vielleicht durch viel Sonne aber nicht durch zu viel Anlegebier erklären lassen.

Wahrscheinlich angezogen vom imposanten Anblick der Aurora (…oder den gut riechenden roten Nudeln), nährten sich nach kurzer Zeit die Hafenkidz (womöglich eine Art Gang, geprägt vom rauen Umgang im Fischereibusiness) und bauten sich am Pier auf.

Lauren, Ryan, Amy und Genossen (Namen ausgedacht) stellten die Crew, ohne eine Spur von Schüchternheit, mit nahezu unverständlichem schottischem Englisch voller rollender „R“, zur Rede:

„Are you Pirrrates?“ (Anspielung auf die St. Pauli Flagge). Auf das „No“ der Crew landeten völlig unvermittelt einige von den Kidz geworfene Pennys an Bord. Häh? Was für ein Ritual sollte das sein? Verdutzt und etwas eingeschüchtert dachte die Crew über ihre Reaktion nach… Geld auf die Kidz zurückwerfen, oder doch lieber später in den Pub investieren?

Auf die nächste Frage wo wir herkämen antwortete Jessi (die Anführerin) schottisch: „I’don’t like Gerrrmans“, auf Nachfrage warum sagte sie: „Because of the World Warrr“… Hm, die Crew versuchte die Kidz noch vom Gegenteil zu überzeugen. Das gelang leider nicht.

Konsterniert ließen die Kidz die Crew an Bord zurück und wendeten sich dem Abendprogramm am Pier zu. Die Crew schweifte ab, was für die Hafenkidz wohl als nächstes auf dem Programm stünde?
B-Day Party von Jessi am Pier, getunte Autos mit dicken Auspuffen, wilder Schottischer Hip-Hop, Fisch im Benzinfeuer grillen und chillen…

In Gedanken über die Hafenkidz bemerkte die Crew ein (etwas älteres) Ehepaar (mit Sonnenbrillen) in der Dämmerung, das ebenfalls sein Glück in der Marina versuchte. Anschließend aber Hals über Kopf die Bucht in die Dunkelheit verließ.

Warum machten sie nicht an einer Mooring fest oder ankerten? Wilde Spekulationen setzten ein: War es ein blindes Paar, das nahezu orientierungslos befürchtete aufzufliegen? Oder handelte es sich um segelnde Schmuggler, die Muntermacher für Jessis B-Day lieferten und sich direkt wieder aus dem Staub machten?

Jäh wurde die Crew aus ihren Gedanken gerissen, als neben Aurora eine große Kegelrobbe die Nase aus dem Wasser reckte und schnaufte… Endlich! Die Crew hatte den Hafenmeister gefunden. Sie beriet sich ob er sie auf ein Bier in den Pub begleiten würde. Konnte eine Robbe auf einem Barhocker platznehmen, die Flossen überschlagen und bei einer seltsam geschminkten Wirtin bestellen?

Gemeinsam entschloss die Crew, dass nun der perfekte Zeitpunkt gekommen war um in den Pub zu gehen.

2 Antworten zu „Campbeltown – eine Glosse von Paul S.”.

  1. Avatar von Joachim Müntzel
    Joachim Müntzel

    Kein Wunder, dass in immer mehr Pubs Kegelrobben an der Bar sitzen, wenn sie so verwöhnt werden… Selbst auf Helgoland sollen einige bereits tagsüber in der Kneipe sitzend gesehen worden sein.

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  2. Paul S.
    Erhält offiziell Hedwig -Holzbeiner Legendenstatus für diesen Reisebericht
    Walk on Pirat 🏴‍☠️

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