Irland im Transit

Das Taxi war pünktlich, Paul war weg. Los konnten wir trotzdem nicht, da Ida mittags ankommen sollte worüber wir, erst recht Tom, uns sehr freuten.

Und unsere Verbraucherbatterien waren schwach. Kaputt. Ärgerlich.

Für die Batterien geht Ole zum Schiffs- und Fischereibedarf, Für Ida fährt der Rest via Dublin zum Flughafen. Das dauert leider den ganzen Tag. Nicht die Batterien.

Nach einer Portion Pubfood und einem letzten Drink im Yachtclub fahren wir den Klüverbaum wieder aus und gehen früh in die Kojen. Es soll nur morgens noch etwas Wind wehen. Den wollen wir mitnehmen.

5:00 Leinen los und sofort Segel hoch. An diesem grauen aber trockenen Tag trägt uns eine träge Brise bis fast nach Arklow, einem tristen Loch, in dem wir an einem Windfarmversorger Längsseit gehen. 44 Meilen abgehakt.

Sportliche Betätigung und ein Wellness-Besuch runden den Tag ab.

Nächster Morgen, nächste Tristess. 7:00, grau und windlos präsentiert sich die südliche Irish-Sea und das Spannendste an den 50,5 Meilen sind die wilden Eddies und Overfalls an der Irischen Südostecke.

Nach dem Anlegen in Kilmore Quays darf der Motor endlich ruhen. Ein schöner kleiner Hafen mit vielen Fischern für die umgebenden Meere und noch mehr Tourist*Innen für die umliegenden Strände. Und einem netten Pup in dem uns nette Engländer*Innen zu einem Drink einladen.

Die Tide zwingt uns zum Ausschlafen. Vor 14:30 ist nicht genug Wasser um den Hafen zu verlassen. Das ist allerdings kein Problem da wir nur 17 Meilen zurücklegen wollen.

Wir haben keine Eile und beschließen abends einen Fisch zu grillen. Den müssen wir aber noch angeln.

Und so bringen wir die Schleppangeln aus. 2 Minuten später ist das Vergnügen beendet, eine 60 cm Meerforelle liegt an Deck, mehr als genug.

Dunmore East hat seit 2006 einen Besucherpontoon und ein Sanitärgebäude erhalten, ansonsten ist es noch ein genauso lebendiger, charmanter Fischereihafen.

Nach 2,5 Tagen motoren beschließen wir endgültig nicht nach Cork weiter zu fahren sondern hier auf Wind zu warten. Es kann ja nicht immer Flaute herrschen. Also müssen unsere in Cork ansässigen Freunde zu uns kommen. Die Bergmanns: Ulli, Bockes, Freda, Liska und Jette erscheinen nachmittags und wir verbringen einen herrlichen Nachmittag/Abend an Bord und im Schlauchboot.

Irgendwie schaffen wir es uns in den Kojen zusammenzudrängen 10 Personen. Zum Glück sind die Kinder noch klein und die Nacht nicht so lang. Es soll Wind kommen. SüdWest bis West 4-5, Nachts abnehmend und West drehend. Klingt gut, um zu den Scilly- Islands vor Englands SW- Ecke zu segeln. Also, Frühstück, Drücken, Winken und um 9:30 auslaufen.

Segel hoch. Schon in der Bucht rollen wir so stark in der Dünung, dass die Bergmann- Töchter bei dem Anblick ihren Traum vom Mitsegeln auf später verschieben.

Der versprochene SW weht mit durchgängig 20 – 22 Knoten, 5 Windstärken. Hoch am Wind kämpfen wir uns durch die ruppige See. Wieder sehr viel Wasser an Deck, geschlossene Luken, Livebelts und Reeling. Ziemlich haarig. Aber wir freuen uns über eine Haisichtung, Delphine und auf den Winddreher am Abend. Der kommt nicht. Dafür dreht der Wind nochmal ordentlich auf, auf 24 – 29 Knoten, 6 – 7.

Es fängt an zu regnen, das macht aber nichts da sowieso alles nass ist. Außerdem wird es dunkel womit abends zu rechnen war. Die Positionslampen streiken, schießen immer die Sicherung raus. Egal, hier fährt sowieso so gut wie niemand durch die See. Es ist stock dunkel und da wir die großen Wellen so weder erkennen noch aussteuern können, fallen wir 10 Grad ab um den Aufprallwinkel zu verbessern. Jetzt geht die Post aber ab. Aurora brettert mit 8-9,5 Knoten durch die pechschwarze Nacht. Wasser fliegt uns waagerecht ins Gesicht.

Irgendwie respektseinflößend aber auch geil. Im Morgengrauen können wir wieder mehr Höhe laufen, einige Grad wieder gut machen. Wo bleibt der Winddreher? Um 9:00 fangen wir an in relativer Landabdeckung der Inseln aufzukreuzen. Um 9:30 loggen wir 155 Sm in den vergangenen 24 Stunden, super! Jetzt dreht der Wind, HaHaHa. Kurz danach rasselt die Ankerkette durch die Klüse und der Friede überkommt uns in einer wunderschönen Ankerbucht südlich der Hauptinsel St. Mary.

4 Antworten zu „Irland im Transit”.

  1. Avatar von Gabriele Burkhardt
    Gabriele Burkhardt

    Wow, excitiiiing! Danke fürs Mitnehmen

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  2. es ist ein Genuss, diese wunderbaren Berichte zu lesen, so elegant in die Seemannssprache und Seglermetaphern mitgenommen zu werden. Da rauscht der Wind aus allen Himmelsrichtungen in den Ohren, man bekommt Knoten in Kopf und Bauch von den Geschwindigkeiten auf dem Wasser. Alles wird plastisch und vorstellbar und die fremden Begriffe setzen die Phantasie in Gang, die lose ankert an der „Meuterei auf der County“ oder „Moby Dick“. Ich fahre die Strecken noch mal mit euch. Danke dafür! Es ist ein Geschenk.

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  3. Avatar von Joachim Müntzel
    Joachim Müntzel

    Eure Texte werden immer besser. Aber, waren’s wirklich Engländer*innen in Kilmore??😆 Und die Fotos sind sowieso affenspitzenmäßigobergeil!

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  4. Es war echt toll den Bericht zu lesen – irgendwie bin ich komplett darin versunken ☺️

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