Der Nordwesten Spaniens – rau und flau

Gijon, erster Landgang mit dem Versuch Brot zu erwerben. Schwierig. Es ist erst 8:30. Da schläft man noch in Spanien. Dafür haben wir die Stadt für uns. Große prächtige Bauten, schöne Plätze und ein traumhafter Stadtstrand wo einige verwegene Frühaufsteher schwimmen gehen.

Und, trotz erklärter Wasserknappheit, werden Fußwege und Freiflächen ausgiebig abgeschlaucht. Wir werden noch erfahren weshalb….

Erstmal muss Ole uns bei den Port Authorities (Hafenmeister) anmelden. Um 9:30 muss der sein Büro aufschließen, ausgeschlafen ist er offensichtlich nicht. Und er will Papiere von uns. Auszug aus dem Schiffsregister – haben wir nicht. Versicherungsbestätigung – ist vom letzten Jahr. Personalausweise – check.

Über die Erfahrungen, hier und in den nächsten Häfen folgt bald ein extra Beitrag. An Bord wartet später auch noch der Zoll…..

Die größte Sorge der Segelgemeinschaft in diesem Revier wird uns von mehreren aufgeregten Skippern mitgeteilt: Killerorcas greifen Segelschiffe an. Gezielt attackieren und zerfetzen sie die Ruderblätter. Reihenweise würden Yachten eingeschleppt, die Hersteller von Ruderblättern kommen mit der Produktion nicht hinterher. Der wahre Kern der Geschichten ist wirklich nicht so lustig. Es gibt noch keine Studien aber wohl 4 – 5 Familien der Gibraltar-Population die dieses Hobby entwickelt haben. Über die Beweggründe gibt es viele Spekulationen. Schauen wir mal….

Nach nachschlafen, aufräumen und Schiff trocknen ziehen wir in den Trubel. Einige erwandern Parks und Gassen, andere kaufen Briefmarken im Tabakladen – die Post hatte nicht genug. Und Tom und Jesper heben unseren Fashion-Approach aufs nächste Level. Schnelle Bademode zum Erreichen der maximalen Bräunung. Es gibt Photos.

Wohlgelaunt und hungrig treffen sich alle wieder und streben Richtung Restaurant. Vergiss es. Es ist 18:00, da wird gerade mal das Frühstück abgetragen. Zu unserer Freude erbarmt sich eine Bar uns Tapas und Getränke zu servieren. So kann man es ertragen.

Auf dem Rückweg zum Schiff nimmt der Wahnsinn seinen Lauf. Cidre. Kunstvoll aus erheblicher Höhe ins Glas gekippt schäumt er auf und verpasst einem einen Instant-Schwips. Der hält glücklicher Weise nur kurz an.

Glücklicher Weise ist das Zeug auch billig. Es schmeckt eigentlich ziemlich scheußlich, jedoch landet eh mindestens die Hälfte auf dem Boden. Wir müssen noch üben. Das tuen wir….. nicht nur heute Abend. Oder Nacht. Als wir uns gegen 23:30 zum Schiff aufbrechen, teilen freudige Spanier uns mit, dass die Party in 1-2 Stunden anfängt. Heute mal ohne uns.

Eine weiterer Tag im schönen Gijon. Das Highlight heute: Erstklassiger Zweitliga Fußball. Sporting Gijon gegen Andorra. Herrliche Plätze auf der Gegengrade. Nicht herrlich ist, dass es nix zu trinken gibt. Dementsprechend ist die Stimmung auf den Rängen etwas mau obwohl die Heimmannschaft einen ungefährdeten 4:1 Sieg einfährt. Unten im Stadion ist ein riesiger Supermarkt wo wir eine Stärkung erwerben, die sogleich im angrenzenden Park reingezwirbelt wird. Dann noch in die Stadt etwas üben.

Spanisch gemütlich laufen wir vormittags aus und motoren durch die alte Dünung.

Kein Wind. Immerhin ist die Küste rau und schön. Nach knapp 30 Meilen laufen wir in Cuderillo ein. Ein riesen Hafenbecken mit 2 kleinen Schwimmstegen. Wir ergattern einen Platz und machen uns auf die Wanderung ins Dorf.

Ein weitläufiger Parkplatz veranschaulicht die Anziehungskraft auf Touristen. Sehr groß. Aber es ist auch einfach sehr schön. Das Dorf. Der alte Hafen. Der Leuchtturm. Malerisch.

Deshalb gehen wir am nächsten Morgen noch eine Extrarunde bevor wir in die Flaute motoren. Wieder ist die Küste rau und schön…

In Luarca, 20 Meilen, hat Ole in seiner Jugend nette Menschen kennengelernt und eine Woche Dorffest mitgefeiert. Mal sehen, ob das wieder so ist. Der Hafen ist wie ausgestorben.

Der Tankwart lotst uns an seine Tankstelle. Er will sowieso gerade schließen. Um 15:30. Spanische Arbeitszeiten? Nein, das größte Fest des Jahres. Im Nachbardorf. Alle gehen hin, wir nicht. Aber am späteren Abend kommen alle wieder zurück und veranstalten eine erstaunliche Prozession. Sie ziehen durch die Straßen, heilig angeheitert, und rufen nach Wasser. Die ein oder andere Party in den oberen Stockwerken erbarmt sich und kippt es Kübelweise aus den Fenstern. Alle nass. Das sich anschließende Konzert auf der Plaza Major können wir bis morgens um 5:00 in unseren Kojen mitgenießen.

Da wollen wir fast schon los. Morgens soll etwas Wind sein. Ist aber nicht. Also geht es unter Motor gen Ribadeo, 25 Meilen, die Küste entlang. Die ist rau und schön.

Diese Stadt ist größer, hat einen königlichen Yachtclub in dem man sich eigentlich nicht so richtig über unseren Besuch freut.  Auf jeden Fall nicht die, die arbeiten müssen. Sonst ist es schön und wir erwandern nahezu jeden Winkel.

Morgens regnet es. Kein Wind. Und kein Wasser in den sanitären Anlagen. Ungewaschen legen wir ab und motoren 30 Meilen in die Bucht von Viviero. Die Küste entlang.

Die ist rau und schön. Allerdings wegen der Wolken nur selten zu sehen. Irgendwann fällt der Anker und wir geben uns der Faulheit hin.

Morgen wollen wir um die Nordwestecke nach A Coruna. Knapp 60 Meilen. Eventuell soll sogar etwas Wind wehen. Bei Nebel, Regen und absoluter Flaute kurbeln wir früh den Anker hoch und dampfen los.

Dies eigentlich wirklich wunderschöne Segelrevier zeigt sich uns eben nicht von seiner schönsten Seite. Schade. Dann aber kommt ein netter kleiner raumer Wind (eher von hinten als von vorne) auf und vertreibt die Wolken. Wir segeln die Küste entlang.

Die ist rau und schön. Jetzt aber so richtig. Die Kaps sind hunderte Meter hoch und an den vorgelagerten Felsen tobt die Brandung. Lieber etwas Abstand halten.

Am späten Nachmittag laufen wir in A Coruna ein.

Eine Antwort zu „Der Nordwesten Spaniens – rau und flau”.

  1. Irgendwie mystisch, die Spanier auf dieser Ecke. Oder sollte man besser sagen „Kantabrier“?

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