Nach 2 Wochen Segelei um die spanische Nordwestecke folgen hier ein paar streng objektive Beobachtungen:
Die Spanier sind ein fröhliches, ausgelassenes Volk. Außer sie müssen arbeiten. Dann haben sie schlechte Laune.
Sollte man z.B. eine Mitarbeiter*In eines Cafés, vor allem männlich, um einen Café bitten kommt das schon einer mittleren Anmaßung gleich. Die höfliche Bitte um einen zweiten Café ist eine Frechheit und wird mit Verdreifachung der Lieferzeit bestraft.
Mitarbeiter*Innen von Museen, Kirchen und ähnlichen Kulturstätten sehen es als Teil ihrer Arbeitsplatzbeschreibung, BesucherInnen möglichst effektiv abzuschrecken oder zu behindern.
In Bekleidungsfachgeschäften nach einer anderen Konfektionsgröße zu fragen ist ähnlich blauäugig wie in der Kirche einen leckeren Messwein zu erwarten.
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Diese antrainierten Umgangsformen, mit Weiterbildung oder Zusatzstudium, finden ihre Krönung in der Person des Hafenmeisters.
Den universalen Eröffnungssatz, rausgeknurrhaspelt (übersetzt): „amtlichesschiffszertifkatmitstempelundnummerversicherungunterlagenmitstempelundnummerallepersonalausweise“, fanden wir völlig absurd. In Europa. Im Schengenraum. In Spanien.
Die meist kleinen und spärlich behaarten Männer sitzen jedoch am längeren Hebel. Sie haben die Kontrolle über die Toilettenschlüssel.
Also geben wir uns Mühe und ab Gijon geht Ole, mit einem mondänen Täschchen, nach dem Anlegen in die Kommandantur.
Beispielhaft ist Vigo:
Im Foyer des königlichen (das sind die Schlimmsten!!!) Yachtclub wird ein zweiseitiges Formular ausgehändigt. Ausfüllen. Abgefragt werden neben den üblichen Schiffsdaten auch sowas wie Motorhersteller, Motorleistung, Motorseriennummer („wie, wissen sie nicht?“)…
Dann kommt aus dem ersten Büro ein kompetenter Mitarbeiter und kopiert das Formular.
Und die Schiffspapiere (Haben wir nur die Funkgerätezulassung – egal, Hauptsache Adler und Stempel). Und die Versicherungsunterlagen (abgelaufen – egal).
Wieder warten im Foyer.
Jetzt zum Chef, hinterstes Büro. Der hat einen Ausdruck gereicht bekommen auf dem steht, dass die Aurora Ole gehört und nicht in Spanien bleibt. Dieses wird unterschrieben und gestempelt.
Die Formulare und Kopien werden zerrissen und in den Müll geworfen.
38 Minuten Lebenszeit vergeudet.
Diese geringe Freude am arbeiten hat nach unserer Beobachtung zwei Gründe:
- Latente Müdigkeit durch zu spätes ins Bett gehen
- Unmenschliche Arbeitszeiten. 9:30 bis 12:00 und 14:00 bis 16:00
Unser schön gepflegtes Vorurteil über die spanische Dienstleistungskultur gerät ins Wanken, als wir am letzten Abend zur Strandbar gehen.
Eine schöne Frau gibt uns freudestrahlend so viel Weißwein wie wir möchten.
Wahrscheinlich ist sie Portugiesin.

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