Portugal – wo ist Dein Norder?

Viana do Castello, ein in einer Flussmündung aufgereihtes Perlchen an der Küste.

Endlich Portugal. Beim Einlaufen winken Stefanie und Stefan auf der Mole. Sie haben sich ganz in der Nähe eingemietet um uns zu treffen. Das machen wir stilgerecht in einer Strandbar und genießen gemeinsam den Sonnenuntergang.

Dort sehen wir uns auch am nächsten Morgen. Die beiden haben den Tag perfekt vorbereitet. Erstmal großes Frühstück in der Strandbar.

Ein großer Kreis aus uns allen um einen kleinen Kreis aus Steinen und Blumen. Wir sprechen ganz intensiv über Simone, lassen gemeinsame Momente, Erlebnisse und Empfindungen Revue passieren. Sehr bewegend. Wir vermissen sie schon schmerzhaft.

Jeder nimmt einen Stein mit ans Meer und beim Tollen in der aufkommenden Brandung wird die aufkommende Schwermut gedämpft.

Jetzt aber auf den Berg gewandert. Und auf den Turm der dort stehenden Kirche. Der 3. Beste Blick Europas wird von uns genossen und geknipst. Nur der Nordwind nervt etwas.

Der was? Wind? Aus der richtigen Richtung? Kann nicht sein und wird ignoriert. Stadtrundgang und hervorragendes Essen komplettieren diesen schönen Tag.

Währenddessen liegt Aurora im Stadthafen. Sauber präsentiert und bestaunt. Der Hafenmeister, selbst alter Seemann, berichtet, dass alle aber wirklich alle alten Fischer des Dorfes mit ihm über dieses ehemalige Fischerboot fachsimpeln wollten.

Ob sie uns ohne Sprachbarriere wohl direkt angesprochen hätten?

Der frühe Vogel… ist nicht unsere Sache. Mittags laufen wir aus. Wartet hinter der riesigen Hafenmole der Norder? Nein.

Gewöhnlich soll zu dieser Jahreszeit jeden Tag ab mittags Nordwind wehen. 4 – 6 Windstärken. Dieses Jahr weht fast immer nix. Also Motorbootfahrt nach Porto, immerhin ohne Nebel.

Nach einer kleinen Hafenrundfahrt über den Douro legen wir in der neuen Marina an. Alle sind ein wenig Müde und würden gerne faul sein. Aber es ist der 3. September. Ein Tag vor Toms Geburtstag. Also los. In die Innenstadt, auf die Partymeile. Stilecht ertanzen wir uns Mitternacht. Und darüber hinaus.

Die Feierlichkeiten des nächsten Tages lassen wir mit Brathähnchen – Piripiri beginnen.

Enden werden sie mit einem Besuch der Ausstellung „Serralves em Luz“. Lichtinstallationen. Die Bilder sprechen für sich. Stefanie und Stefan waren natürlich auch mit von der Partie, wie die nächsten Tage auch. Und es waren Tage, gefüllt mit Kultur, Kulinarik und Spaß.

Doch dann kündigt sich Frederick an. Ein unfreundlicher Bursche. Ein ehemaliger Hurrikan der jetzt als abgeschwächtes Sturmtief die Küste hochziehen soll.

Jawohl, hoch. Von Süd nach Nord. Mit viel Wind und Wellen.

Wir wollen bekanntlich nach Süden und beschließen vor Frederick Lissabon zu erreichen. Also vor der Dämmerung die Leinen geslippt und auf in den Nebel. Natürlich ohne Wind.

Um 17:00 etabliert sich ein sanfter Nordwind und wir ziehen alle Segel die wir finden hoch. Mit 3 bis 4 Knoten gleiten wir durch die inzwischen ungetrübte Sonne. Durch den Nachmittag in den Abend, in die Nacht. Unser Speed nimmt immer weiter ab, der Wind wird immer schwächer. Gegen 23:00 schläft er komplett ein und Aurora dreht sich in der Flaute.

Immerhin haben wir uns 6 Stunden vom Wind treiben lassen. Wegen des sich nähernden Frederick bergen wir die Segel und motoren unter einem perfekten Sternenfirmament gen Lissabon.

Die Flaute bleibt uns bis in die Mündung des Tejo erhalten. Erst da können wir noch ein paar Meilen segeln. Der Wind fängt an zu drehen aber das Rennen gegen Frederick ist gewonnen.

Wir legen um 17:00 in der Marina Parques das Nações an. 4 Tage dürfen wir bleiben. Wollen wir auch. Machen wir auch.

Währenddessen pfeift an der Atlantikküste der Südwind.

Lissabon, wirklich immer eine Reise wert, wird von uns genaustens unter die Lupe genommen.  Die sieben Hügel werden erstürmt, der Fahrstuhl ist kaputt. Aber alle Wege führen nach…. Oben. Die ewige Stadt bietet auch Museen, Bowlingbahnen, Burgen, Bars, Restaurants…

Man könnte wesentlich länger bleiben und erst recht viel mehr schreiben.

Die Nachmittagsbeschäftigung, die Gastronomie eines Aussichtspunktes zu betreten und einfach nicht mehr zu gehen, legt uns Fynn (Hockeykollege aus Hamburg, der in Lissabon studiert) nahe. Sehr aussichtsreich, nicht so anstrengend.

Er sollte genauso Fremdenführer werden, wie Toms Segelfreundin Locke (studiert auch hier) keine Anwältin werden sollte. Beim abendlichen „Meiern“ auf Aurora stellt sie sich als zur Lüge unfähig heraus. Es war eine tolle, fröhliche Runde.

Morgens werden am „Denkmal für die Entdecker“ in Erwartung ewiger Flaute die Dieseltanks gefüllt und Aurora setzt ihren Weg gen Süden fort.

3 der 7 Stunden auf See können wir segeln. Langsam.

Hinter Cabo Espichel, weder berühmt noch berüchtigt, liegt Sesimbra. Keine Reise wert. Obwohl das Frango Piripiri abends und der Café morgens lecker waren.

Erholung von der Großstadt war nötig. Obwohl in der Zeit keiner so dicht war wie der Nebel am nächsten Morgen.

Durch diesen tasten wir uns weiter, immer die Küste entlang. Soll schön sein. Wenn man sie sehen könnte. Aber bei perfekter Flaute fehlt einfach der entscheidende Hauch um die Schleier zu lüften. Und die Atlantikdünung rollt gemütlich, reduziert aber auch das Interesse an potenziellen Ankerplätzen.

Deshalb legen wir im imaginären Sonnenuntergang in Sines an. Definitiv auch keine Reise Wert.

Es soll sowieso weitergehen und ob man nichts sehen kann weil es noch dunkel ist oder wieder mankanndiehandvordenaugennichterkennen dichter Nebel herrscht ist dann auch egal. Stoisch schiebt der Iveco- Diesel uns voran. Allerdings sind 77 Meilen unter Motor alles andere als lustig oder billig. Immerhin ab nachmittags mit Sonne.

Und das Cabo de San Vicente, auf dem sich der von Klerik und Obrigkeit zerstückelte Vincent wieder zusammengesetzt hat, ist sowohl berühmt als auch berüchtigt. Und da auf der Nachbarecke, dem Ponte de Sagres, die Reste der Seefahrerschule des ollen Heinrich stehen, gönnen wir uns einen Kap-Rum bevor wir im Dunkeln in den Seekanal von Lagos einsteuern.

Auf der Pier jubeln Sandra (alte Freundin von Ole) und ihr Mann Luis.

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