Freitag, der 25.November, der erste volle Tag auf See.

Nachdem wir gestern unseren Nachbarn winkend die Marina von Mindelo verlassen hatten, machten wir uns daran die Passatsegel anzuschlagen. Auch wenn nicht gleich mit östlichen Winden zu rechnen war, wollten wir direkt vor Wind gehen und erst einmal Richtung Südwesten Fahrt aufnehmen.

Sobald der Motor aus war überkam mich ein seltsames Gefühl. Es waren sehr viele Gefühle und Fragen auf einmal. Hätte man sich nicht eigentlich noch mehr von Cafemitarbeiterinnen, Marktverkäuferinnen, Musikerinnen und den super hilfsbereiten Menschen im Hafen verabrschieden müssen? Zwei Wochen waren wir nun da und haben all diese Menschen fast täglich gesehen, viel mit ihnen geredet  und doch sind wir nur eines von vielen Schiffen, die um diese Jahreszeit die Kap Verden anlaufen, nur um sie dann nach einigen Tagen gen Westen zu verlassen. 
Wir wussten alle nicht ob und wann wir mal wiederkommen würden und ich hoffe nur, dass viele Erinnerungen von hier bleiben und nicht wie manch französischer oder spanischer Küstenabschnitt nur ein Teil der großen Reise  sein werden. Aber ich bin mir recht sicher, dass das nicht passieren wird. Die Kap Verden sind unfassbar schön und unfassbar interessant. Sowohl ihre Natur, als auch Ihre BewohnerInnen mitsamt ihrer Kultur. Was für tolle Abende mit Livemusik, mal mit mal ohne Tanz, wir erleben durften. Das werden wir nicht vergessen. 

Des Weiteren wundert man sich über die Zeit, die nun bevorsteht. Wenn alles gut läuft haben wir die Segel jetzt einmal hochgezogen und werden sie erst vor der Küste Barbados wieder runternehmen. Bis dahin sind wir dem blauen Wasser, dem Lauf der Zeit und auch unseren Gefühlen und Gedanken schutzlos ausgeliefert. Mich überkam eine gewisse Schwere. Diese endlose Freiheit, die man nun 3 Wochen genießen darf, muss man erstmal lieben lernen. Man muss Konfrontation mit sich selbst und das Akzeptieren des Nichtstuns zulassen. Es gibt keinen Ausweg wie das Anrufen von Freundinnen, sinnloses scrollen bei Instagram oder Bier trinken in einer Bar. Aber das ist auch gut so und sobald man ein wenig im Bordalltag angekommen ist, wird es auch nicht mehr so gruselig sein wie jetzt. 

Gestern Abend haben wir den Tag mit einem großen Berg Spagetti mit Gemüsesoße ausklingen lassen und alle, die nicht direkt Wache hatten konnten sich wieder an die schaukelnde Koje gewöhnen.
Im Moment gibt es keinen Mond hier, also ist es nachts sehr dunkel. Gleichzeitig tut sich wenn die Sonne weg ist aber ein so atemberaubendes Sternenzelt über uns auf, dass man gar nicht weiß wo man hingucken soll. Alles schwarz, nur am Himmel helle Punkte und im Wasser floureszierende Algen, die ebenfalls ein leuchtendes Schauspiel in der Dunkelheit veranstalten. Wunderschön.
Heute morgen, nach einer für alle nicht sehr entspannten Nacht, gab es von Hauke selbstgebackenes Brot zum Frühstück. Das war ein toller Start in den Tag. 
Danach verloren sich alle in ihren Büchern, in ihren Gedanken oder in der Montur einer weiteren Solarplatte. Geredet wurde kaum…

Ich bin gespannt wie sich alles entwickelt und wie lang sich die Tage im Laufe der Zeit anfühlen werden. 
Wir halten euch auf dem Laufenden.
Bis dahin viele Grüße vom Meer und bleibt alle gesund und munter 🙂
Chiara

Eine Antwort zu „Freitag, der 25.November, der erste volle Tag auf See.”.

  1. Hi ihr, das hört sich nach einem ganz normalen Flashback-Transatlantik-Start an. Genauso muss es wohl sein.👍👍👍

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