Montag, 28.11., der 5. Tag auf See.

„Wir konnten zum Teil schon über einen längeren Zeitraum 280 steuern!“ Das ist der Satz, den jede/r heute morgen zuerst zu hören bekam, als der Kopf aus dem Niedergang hervorguckte. Noch halb verschlafen und überwältigt von der Helligkeit mussten die Gedanken zunächst geordnet werden. Nun auch einmal für euch, dieser Satz bedeutet: Der Wind war nachts zum Teil schon östlich genug, um einen Kompasskurs von etwa 280 Grad zu steuern. In den letzten Tagen befanden wir uns noch eher auf einem Südwestkurs, da der Wind meistens noch eher aus Nordost, als aus Ost kommt. Wir segeln also eine kleine Südschleife um den Passat, der aus Osten weht, zu erwischen und unseren „Zielkurs“ von momentan 285 Grad zu erreichen. Die gestern über das Irridium, das Sateliteninternet, heruntergeladenen Wetter- bzw Winddaten haben gezeigt, dass wir uns wahrscheinlich noch 2-3 Tage gedulden müssen, bevor wir richtig auf Kurs gehen können. Davor versuchen die RudergängerInnen so zu steuern, dass der Windeinfall nicht unter 155 Grad geht. Was das nun bedeutet werde ich auch kurz erläutern. Da wir mit unseren zwei ausgeräumten Passatsegeln fahren, muss der Wind immer möglichst von hinten kommen. Wir versuchen aber immer ein wenig weiter westlich zu fahren, damit wir nicht zu weit gen Süden kommen. Wenn aber dann mal eine Böe weiter aus Nord die Segel trifft, kann es passieren, dass das Steuerbordsegel von der falschen Seite Wind bekommt und back steht. Das ist schlecht fürs Material und soll also möglichst vermieden werden. Trotzdem gab es selten eine Wache ohne sogenanntes „Bauern“.

Nachdem die Gedanken geordnet und sich über diese durchaus positive Nachricht gefreut wurde, erhascht man einen Blick auf die seit gestern hängende Weihnachtsdekoration. Eine Lichterkette rundet das Achterdeck und an der Baumstütze hängen 5 glitzernde Weihnachtskugeln. Sie bringen große Freude, aber noch nicht ganz eine Weihnachtsstimmung… Auch wenn diese noch fehlt hatten wir einen echten ersten Advent. Es war ein Ereignisreicher Tag:

Zuerst wurden in der Nacht auf Sonntag 2 Fische geangelt. Ein kleiner Mahi-Mahi, der an Deck geholt und ausgenommen wurde und ein Degenfisch, der aber durch die durchaus beachtlichen Zähne und das magische Schimmern lieber lebendig wieder ins Wasser zurückgelassen wurde.
Dann, als der Morgen schon angebrochen und das Tageslicht zurück war ging ein lauter Ruf durchs Schiff. „Wir haben einen sehr großen Biss!“. Und so war es. Eine 1,02 Meter lange Goldmakrele (MaihiMahi) hatte sich den lecker-aussehenden Plastikpulpo nicht entgehen lassen wollen und musste nun mit den Konsequenzen leben, beziehungsweise auch nicht leben. Das Abendessen der nächsten zwei Tage und der Mittagssnack waren gesichert.
Zum Frühstück gab es Müsli, danach machte erstmal jede/r ihr Ding. Lesen, Schreiben, Schlafen, in der Sonne Dösen, Steuern oder Musik hören.
Um 14 Uhr war es dann soweit. Das erste sommerliche Adventssingen und die erste Zeitumstellung standen an. Die nächste Stunde wurde gemeinschaftlich, jede/r 8,5 Minuten gesteuert bevor die Uhr dann wieder auf 14 Uhr zurück gestellt wurde. Anlässlich des ersten Advents hatten Lotta und Chiara sowohl die bereits erwähnten Kugeln aufgehängt, als auch aus einer Klopapierrolle und einer Zahnpastatube eine sehr weihnachtliche erste Kerze gebastelt. Rund um die Kerze lagen Orangenscheiben und Schokokugeln. Ein echtes Fest! So konnten wir die ersten Adventslieder anstimmen. Nachdem Wechselgesänge von Achter- zu Vorschiff gesungen wurden und auch das geladene Schiff auf der Erde Anker geworfen hatte waren wir uns einig, dass die Stimmung voll Sonne und blauem Wasser nicht ganz zu Schnee und Engeln passte. Also widmeten wir uns wieder unseren geliebten Seefahrtsliedern und ließen die Stunde mit Gitarre und Gesang vergehen.

Danach wurde von Hauke ein neuer Hefeteig angesetzt, aus dem später das Brot für die nächsten Tage wurde. Außerdem gab es den kleinen Mahi-Mahi und die in der Nacht an Bord gelandeten fliegenden Fische als Mittagssnack. Auch die nicht-Fischessenden kamen mit Obst und dem Curry des vergangenen Abends mehr als auf ihre Kosten.

Der Nachmittag war wieder gefüllt von herrlicher Faulheit und viel Lesen. Da es durch die Umstellung der Zeit nun schon früher dunkel wurde, musste das Abendessen unten eingenommen werden. Fisch mit Kartoffeln und Mojo und für Lotta und Chiara Kartoffeln mit lecker angebratenem Tofu. Was ein Gaumenschmaus.

Damit ging es in die nächste Nacht. Die Lichterkette strahlte auf dem Achterdeck und alle nicht Wachhabenden legten sich nochmal in die nun schon nicht mehr ganz so schaukelige Koje um ein wenig Schlaf zu bekommen.

Eine Antwort zu „Montag, 28.11., der 5. Tag auf See.”.

  1. Bericht: Nice! Neulich lag hier im Flensburger Best-off Fischladen ‚ne Gelbmakrele, gut ‚n Meter lang, ziemlich, aber natürlich bei Weitem nicht so gut, wie bei euch – frisch gefangen! Ich hab mir 250g gegönnt für ein Sashimi. War‘n dann mal so € 19,75… Fangt jetzt bloß nicht an, die wahrscheinlich gut 10 kg. eures Mahi hochzurechnen… Freu mich schon auf eure Berichte, wenn ihr in der Karibik nach Conch‘s taucht. Achtung: Stehen, genau wie ihr, unter Artenschutz!😇

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