09.12 Wir lagen schon 14 Tage…

Es sind nicht ganz 14 Tage, aber bei jedem Gespräch über den Wetterbericht stimmt irgendjemand einmal „Wir lagen vor Madagaskar“ an. Der Passat weht nicht mehr… nun schon seit fünf Tagen. Erst wurde er sehr wenig, dann drehte er auf Süd. In den letzten Tagen dann weiter Richtung West. Nun pendelt er zwischen Südwest, West und Nordwest, also alles sehr weit von vorne. In den kommenden Tagen soll er einmal ganz weg gehen, bis er sich dann langsam wieder auf Ost- Nordost zurückdreht. Aber das sagen bisher nur die Grib Daten, die mehrmals am Tag über das Iridium, das Sateliteninternet, gezogen werden. Dieses ganze Windgewechsel spielte sich immer bei einer Stärke von 1 bis ausnahmsweise mal 10 Knoten Wind ab… Also sehr wenig. Die Woche insgesamt: Umlaufend schwachsinnig.
Aber dafür haben wir uns gefühlt wie auf einem Regattaschiff. Alle halbe Stunde wurde die Besegelung geändert. Wind von hinten hieß nach wie vor Passatsegel, wobei sie nun auch schon einzeln als Vorsegel gefahren werden. Kam er halb oder raumschots, wurde Big Mama (der große Ballonklüver) und das Großsegel hochgezogen. Bei weniger als 7 Knoten Wind wurde das Großsegel auf Grund wilden Flappens, was sowohl nervig als auch nicht gut für den Mast ist, wieder geborgen und wir sind nur unter dem großen Vorsegeln mit etwa 2,5 Knoten weitergesegelt. Drehte der Wind zu weit nach West wurde Big Mama geborgen und Fock, Klüver und zum Teil sogar Flieger gesetzt. Nun muss auch das Großsegel wieder hoch, sonst können wir nicht genug Höhe laufen. Wenn der Wind dann unter die besagten 7 Knoten geht muss leider alles runter und die Maschine angeworfen werden, um uns ein wenig in die richtige Richtung zu bringen. Die langsame Fahrt von 2-3 Knoten sorgt ab und an für kleine Stimmungsdellen, die sich dann aber zum Glück schnell wieder ausbügeln. Wir kommen trotzdem noch gut voran und machen mit dem Wechsel aus 7 Segeln und dem Motor knapp 100 Meilen am Tag. Jetzt sind es noch 540 Meilen… Wenn der Wind, wie im Moment angesagt, spätestens Montag wieder mit einer passablen Stärke aus der eigentlich vorherrschenden Windrichtung kommt, sollen die Passatflügel wieder unser Standard-Ausblick nach vorne werden und uns die letzten Meilen Richtung Barbados ziehen. Es bleibt spannend…

Wenn gerade keine Segelmanöver bevorstehen ist der Bordalltag nicht viel anders als mit dem Passat von hinten, außer, dass das Schiff nicht mehr so rollt und wir so etwas stabiler im Wasser liegen. Also weniger Sachen, die umher fliegen und weniger Rollen in der Koje.
Morgens nach dem Aufstehen gibt es nach wie vor Kekse und Kaffee, um 10 Uhr dann Frühstück. Entweder selbstgebackenes Brot oder Müsli. Es wird viel gelesen und viel aufs Wasser geguckt. Natürlich gibt es einige fleißige unter uns, die sich immer noch jeden Tag sportlich betätigen. Vor allem Ole ist eigentlich jeden Tag dabei ein wenig am Schiff zu arbeiten. Neue Solarpanels anzuschließen, für die Verkabelung kleine Häuser zu bauen, neue Schoten oder Niederholer zu spleißen und und und… Abends wird wie schon auf der ganzen Überfahrt sehr gut gegessen. Auch wenn sich die Gemüsevorräte nun auf ein paar Zwiebeln und viel Knoblauch verkleinert haben, steht jeden Abend ein leckeres Essen auf dem Tisch. Abwechslung in die letzten Tage haben vor allem zwei Sachen gebracht. Der Adventskalender und der Regen. Der Adventskalender hält jeden Tag eine kleine Gruppenaktivität bereit: Ein Selbstgemachtes Aurora-Atlantik-Kreuzworträtsel, eine Liegestützchallenge oder eine Diskussion über Mobilität in der Zukunft. Uns wird also nicht langweilig.
Der Regen ist das Zweite, was sowohl die Wachen als auch den Alltag ein wenig aus dem Konzept bringt. Wir wussten alle garnicht mehr wie man ein Ölzeug anzieht und was man bei dieser doch noch hohen Temperatur darunter ziehen soll. Also klebt das Ölzeug am Körper, wenn man kurz kurz trägt oder die Klamotten kleben am Menschen, weil es zu warm ist. Die Füße bleiben natürlich stets ohne Schuhe, wir sind nach wie vor auf der Barfussroute und das lassen wir uns auch vom Regen nicht nehmen. Nachts, die letzten beiden Nächte hat es durchgeregnet, sitzt nun zum Teil einer alleine in voller Montur auf der Ruderbank und lässt die Selbststeueranlage den Wachkumpanen oder die Wachkumpanin ersetzen… Ansonsten sitzt man zu zweit in Vollzeug da und wundert sich regelmäßig, dass es nun echt so doll regnet. Was ist hier los? Der Klimawandel lässt grüßen…

Wir hoffen, dass das Wochenende die Wettersituation wieder ein wenig stabilisiert und uns davon abhält traurig zu sein über das Verpassen sowohl der Familien-, als auch der Hockey-Weihnachtsfeier, die jetzt in Hamburg stattfinden. Aber das schaffen wir und wünschen allen, die Teil davon sind, viel Spaß 🙂 Und allen anderen natürlich auch.

2 Antworten zu „09.12 Wir lagen schon 14 Tage…”.

  1. Hallo, liebe Leute,
    mir gefällt euer Adventskalender und das Fachchinesisch!

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  2. Shit happens! So lange eure Laune gut bleibt und weder Getränke noch Lebensmittel ausgehen, gibt‘s sicher Schlimmeres. Aber ihr macht das schon! Und Montag soll‘s dann ja auch wieder stetig von achtern wehen… Oder wollt‘ ihr tauschen? In Norddeutschland -1 Grad, Schneegrieseln, Glätte, Windchill. Wir trinken Glögg & Hot Whiskey! Natürlich auf euer Wohl! Fair winds für Aurora!

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