Barbados, unsere Tür in die Karibik

Zur Begrüßung auf der anderen Seite des großen Teichs müssen wir den Tiefwasserhafen anlaufen. Große Kreuzfahrtschiffe, große Piers, große Grunddünung. Sofort reißt eine Leine, platzt ein Fender. 

Das kann unsere Hochstimmung allerdings nicht stören und da alle Offiziellen bei den großen Schiffen sind, gönnen wir uns erstmal einen Passagen- Rum. „Plantation“ aus Barbados, gekauft in Hamburg in der Metro. Das ist „Eulen nach Athen tragen“ für Fortgeschrittene.

Nach dem ersten Rum wird uns, zu unserer großen Freude, Paulin von einem Sicherheitsmann geliefert. Samt der Auskunft dass wir jetzt einchecken können. Daraufhin sind Tom und Ole eine Stunde weg. Normal. Das Lustige ist unsere Covid- Quarantäne, von 9:26 bis 9:29.

Kaum ist die gelbe Flagge eingeholt, hält Hauke es nicht mehr an Bord. Er strebt in die Stadt, dort wartet Uschel und dann beide zusammen am Strand vor dem wir unseren Anker werfen. Jetzt sind wir wirklich angekommen und nach einem ausgiebigen Bad bringt uns unser Schlauchboot an Land. Es ist zwar eine große Stadt aber die Karibik lacht durch den Molloch. Pastellfarbene Häuser und Hütten, auf jeder Freifläche ein Gemüsestand, unzählbare Alkoholausgabestellen. Die Menschen sind freundlich und fröhlich. Nachdem die Kreuzfahrergerechten Einkaufsstrassen hinter uns liegen wird die Gegend rauer – don´t go here at night! – und zwischen all den China-Ramschläden und Ganja- Händlern entdecken wir eine nette Innenhofbar, den Paradise Club. Es ist zwar ein Strip- Lokal aber zu dieser Uhrzeit auch ein Imbiss und Take- away.

Der Jamaikanische Koch zaubert uns spannende Gerichte und die Crew labt sich an dem lokalen Gebräu. Banks – bestes Bier.

So gestärkt beginnt der Abschied auf Raten. Lotta, Hauke und Arwed ziehen zu Uschel ins AirBnB, an Bord ist mit einem Mal merkwürdig viel Platz. Sehr erstaunlich, nach all den Wochen. Aber wir sehen uns weiterhin an Land, zum Beispiel in der Beach- Bar zum Sonnenuntergang. Oder auf den berühmten Märkten, erst auf einem Engländer lastigen Weihnachtsmarkt mit von Liverpoolerinnen gesungenen (?) Christmas Evergreens, allerdings mit grandios gutem Rum- Punch, dann, sehr schnell danach, auf einer großen Wiese am Meer. Hier trifft sich offensichtlich ganz Barbados. Zu dröhnender Musik wird so unglaublich viel gekifft, dass schon die dichten Rauchschwaden einen umhauen.

Umhauen sollte uns auch die Erfahrung, die wir am nächsten Morgen machen müssen.

Bei der amerikanischen Botschaft wollen wir ein Visum erbitten. Für die Amerikanischen Jungferninseln (Esta geht nicht auf einem Segelschiff). Sehr blauäugig, ohne Termin. Ein Zettel mit der korrekten Vorgehensweise wird uns ausgehändigt und nach einer Stunde im WLAN des ortsansässigen Cafés erreicht Chiara die Seite mit der Terminvergabe. 170 € Gebühr später die Erkenntnis: Die nächsten freien Termine gibt es Mitte Januar. Dann eben nicht. Blöde Amis.  

Erstmal noch Barbados. Ein richtiger Bus fährt uns quer über die bergige Insel auf die Ostseite. Wild romantisch ist die Küste an der durchgehend der Passat an Land will. Aufgehalten von vorgelagerten Korallenriffen verlieren die Wellen ihre Zerstörungskraft, formen eine bizarre Felsküste in der eigentlich Trolle und Gnome leben müssen. Klettertouren beenden fast alle trocken wieder an Land wo „Uncle Joes Seaside Bar“ auf uns wartet. Die Landcrew stößt dazu und es wird ein lecker-lustiger Nachmittag.

Auch fantastisch die Unterwasserwelt. Ein Stück den Traumstrand hinunter gibt es einen Marinepark. Neben einem unglücklich versunkenen Frachtsegler, einem von den Deutschen torpedierten Schlepper, einem gezielt versenkten Drogenschmuggler und einem ehemaligen Partyboot liegen da diverse Anker, Schiffsteile und Pier Elemente. Alles auf einer entspannten Tauchtiefe von 5 bis 15 Meter. Unterschiedlich intensiv mit erstaunlichen Korallen bewachsen, umschwärmt von unzähligen bunten Fischen. Am Ende unseres Tauchgangs finden wir noch eine komplett geriggte Segeljacht. Etwas unheimlich.

Wer nicht tauchen kann, schnorchelt im flacheren Wasser mit großen Schildkröten und Adlerrochen.

An unserem letzten Abend, die Bekleidung ist gewaschen, die Aurora verproviantiert und getankt, alles zur Abfahrt bereit, lädt das AirBnB zum Abschluss-Dinner.

Uschel, Hauke, Lotta und Arwed haben karibisch gekocht, hervorragend. Dazu mischt Lotta Rum-Punch der anständig zündet. Die vier streben in den Amazonas, wir wollen nach Grenada und so mischt sich in die Abschiedsmelancholie eine Vorfreude auf kommende Abenteuer.

Der Passat weht, mal mehr mal weniger, und so entfalten sich Auroras weiße Flügel. Schnell bleibt Barbados zurück, das Meer hat uns wieder, lässt uns ordentlich rollen. 

126 Meilen lassen uns in unseren gewohnten Wachrhythmus zurückfallen. Der Tag und die Nacht gliedern sich wieder in 4 Stunden Blöcke. Sterne wechseln mit Wolken, der ein oder andere Schauer. Im Morgengrauen der Landfall. Einsteuerung in die Inselwelt.

Die zu Grenada gehörende Insel Carriacou raubt uns den Wind.

Vor Hillsborough fällt der Anker, in den Wanten weht die gelbe Flagge, also machen sich Tom und Ole auf den Weg zum einklarieren.

In der Amtsstube wartet eine müde Staatsdienerin um uns zu erklären, dass das Büro jetzt in einer anderen Ortschaft angesiedelt ist. Also einen der klassischen Kleinbusse gestoppt und eine kleine Inselrundfahrt gewonnen. Das Office in der Tyrrel Bay Marina ist geschlossen. Mittagspause bis 13:00, es ist 12:45, also no Stress. Das Passstempelvergnügen geht dann auch recht zügig, als ein fröhlicher, ausgeschlafener Mitarbeiter um 14:00 erscheint. Jetzt noch 1,5 Kilometer den Strand entlang zum Zoll, diverse Eastern Caribbean Dollar abdrücken, dann sind wir frei, schnappen uns einen Bus und ab geht’s zum Schiff. Die Quarantäneflagge wird niedergeholt und ein ausgiebiger Landgang absolviert. Schöne Karibik. 

Vor der Veranda des kleinen Restaurants dümpelt Aurora an ihrem Anker, das Essen ist herrlich, uns könnte es nicht besser gehen. Nur die nächtliche Karaokeveranstaltung hören wir uns lieber vom Schiff an. Nachtsegeln macht müde.

Recht früh lichten wir den Anker. Auf Grenada warten Rike und Lia. Auch das Schiff von High Seas High School, für das wir Post auf den Kap Verden abgeholt haben, liegt in der True Blue Bay, Grenada.

Vorbei an der Postkartenschönheit „Sandy Island“ geht es wieder aufs Meer.20 Meilen offene See durchpflügen wir in Rauschefahrt, bis uns der Inselschatten den raumen Wind raubt. In der True Blue Bay wartet eine Mooring auf uns, friedlich im Wasser dümpelnd und Rike und Lia, wild auf dem Steg hüpfend.  

2 Antworten zu „Barbados, unsere Tür in die Karibik”.

  1. Wiedereinmal ein gelungener Bericht. Von den Fotos ganz zu schweigen…
    Gerade habe ich ein Foto hier aus dem Fenster gemacht in Richtung Museumshafen Flensburg. Ausser ein paar eben noch aus dem Nebel hervorlugenden Quecksilberdampflampen sieht man nix. Und es ist sau-nasskalt draussen, bei so 3 Grad C. Brrr… Das nur, damit ihr noch ein bisschen mehr geniesst, was ihr gerade erlebt!

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  2. Avatar von Annette Meissner
    Annette Meissner

    Mit Begeisterung verfolge ich Euren Segeltörn. Unglaublich die Erlebnisse und Eindrücke. Ich wünsche Euch allen bleibt weiterhin gut drauf und genießt genießt und genießt. Bin schon gespannt auf die nächsten Fotos. Herzliche Grüße. Annette

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