Heilige Tage unter Palmen

True Blue Bay. Hier war Tom 2018 mit High Seas High School, die Erinnerungen sind gut und Nathalie, eine seiner damaligen Lehrerinnen, hilft sie in der Beach Bar lebendig werden zu lassen. Sie ist mit dem diesjährigen Projekt, an Bord der „Gulden Leeuw“ in True Blue. 

Das ist eine riesen Schleuder. Ehemaliger Salondampfer auf den die holländischen Eigner 3 große Masten gepflanzt haben. Bei einer Besichtigung wird uns stolz das Schiff vom Maschinenraum bis zur Brücke präsentiert. Wir staunen nicht schlecht, vor allem über die Unterbringung der Schüler. Alle 40 in einem Raum, Mädchen- und Jungsteil durch einen Vorhang getrennt.

Zurück auf unserem kleinen Boot planen wir das Weihnachtsfest. Verholen Aurora tiefer in die Bucht um dem ewigen Schwell, in dem die Becher vom Aufbau rollen, etwas weniger ausgesetzt zu sein.

Zutaten für Wraps und Rumpunsch jagen wir in George Town, der Hauptstadt. Wilde Kleinbusfahrt und harte Regenschauer inklusive.

Dann die heilige Nacht, bei uns eher der heilige Tag, teils synchronisiert mit der Nacht im Norden. Wir wollen unseren lieben sowie allen die darauf Lust haben ein Weihnachtskonzert singen. Die ganze Atlantiküberquerung haben wir geprobt, ab und zu. 

Natürlich machen wir uns etwas lächerlich, aber mit viel guter Laune, ein/zwei Rumpunsch und einem abschließenden Sprung über Bord, haben wir viel Spaß.

Das WLAN der Beach Bar wuppt nicht nur die Insta-Live-Übertragung sondern auch die Kontakte in die Heimat, es wird wie wild geschrieben und telefoniert. 

Bevor allerdings Wehmut aufkommt gönnen wir uns noch ein paar Punsch, essen königlich und lassen den Tag verplätschern.

Zur Feier des 1. Weihnachtstages verholen wir morgens in die Stadt, in die Nobelmarina. Wollen mal wieder erfahren, wie es ist anzulegen. Mit Landstromanschluß, Duschen und einem feinen Buffet im feinen Restaurant. 

Naja, Strom war nicht nötig, die Duschen nicht gut und das Restaurant nicht bezahlbar, dafür kann Tom von hier gut zum Flughafen um Ida abzuholen.

Es zieht uns auf See und am 2. Weihnachtstag laufen wir recht früh aus. Ein schöner Ostnordostwind bläht die Segel, wir segeln an Grenada am Wind hoch, Kurs Carriacou.

In der Abenddämmerung fällt der Anker in der recht vollen Reede von Tyrell Bay. Port of Clearance. Ole also morgens, etwas deutsch, um 7:45 vor dem bekannten Imigration Office, welches um 8:00 aufmachen soll. Um 9:00, als der Amtmann erscheint, ist er immerhin der erste in der Schlange. Mit fertig ausgefüllten Listen. Alles geht erfreulich schnell, bis zum Bezahlen. Das Kartenlesegerät will erstaunlicherweise nicht. Also 1,5 Kilometer den Strand entlang zum Geldautomaten, wieder zurück und hinten anstellen.

Mittags lichten wir den Anker.

Nach 2 Meilen sind wir wieder bei Sandy Island, diesmal ankern wir und machen eine ausführliche Erkundungstour. Herrliches schnorcheln und weißer weicher Sand. Allerdings auch wieder viel Wind, also ist es ungemütlich an Bord. Aurora hüpft und rollt so doll am Anker, dass bei einigen die sowieso noch nicht richtig vorhandene Farbe droht aus dem Gesicht zu verschwinden. Also verholen wir uns in eine geschützte Ankerbucht. Traumhaft, neben uns nur ein weiters Schiff, vom Strand der träge Reggae einer urigen Strandbar.

Sofort begibt sich eine Erkundungsgruppe an Land. Was für ein Paradies. Unter grob zusammengenagelten Palmdächern fröhliche Familien, die Küche mehr als improvisiert. Über der Glut in einem halben Ölfass brutzeln Lobster in Öl und Knoblauch, es duftet mehr als verführerisch. Der Koch und Chef begrüßt uns überschwänglich, stellt den Mann neben sich als den Fischer vor, der die Lobster fängt. Hier müssen wir hin! Wir eilen zum Schlauchboot und aufs Schiff, die anderen zu holen.

Was für eine Enttäuschung, das Essen ist fast fertig zubereitet, die Lobster müssen weiterleben.

Naja, geschmeckt hat es natürlich sehr gut. 

Konsequent gibt es im Sonnenuntergang bei der Beach Bar auch keinen Rumpunsch mehr.

Ausgetrunken von 2 Paaren aus Stuttgart, arbeiten bei Daimler – sehr hoch -, den Seglern des anderen Schiffes, die auch die Lobster bekommen haben.

Auf dem Weg nach Union Island, harter Schlag von 4,5 Seemeilen, wird die Grenadaflagge eingeholt. Die Grenadinen liegen zwar direkt bei Grenada, gehören aber zu St. Vincent.

Die Flagge ist allerdings auch sehr schön und nachdem uns ein fröhlicher Rastaman zu einer Mooring (Festmachetonne statt Anker) direkt am Strand gelotst hat, gibt es auch einen schönen Stempel in den Pass.

Es wird immer karibischer, alle Häuser in schönem Pastell, überall Bars und Verkaufsstände.

Das Gackern unzähliger Hühner mischt sich mit allgegenwärtigem Reggae. Zum Glück keine Steeldrum-Bands. Die sind auf Dauer nicht nur nervig sondern ein untrügliches Zeichen für die Anwesenheit von Kreuzfahrtschiffen. Dafür ist es hier zu klein.

Überall brandet das schützende Riff, türkieses Wasser wohin man blickt. 

Besonders zu bestaunen vom Berg, den wir in der Mittagshitze erklimmen. Modelllandschaft mit Flughafen, Strand und Palmen. Aurora mitten drin. Außerdem sieht man schon unser nächstes Ziel, die berühmten Tobago Cays. Mehr oder weniger Sandhaufen mit Palmen drauf, am schönsten mit wenig Wind und Sonne.

Es regnet viel und weht mit 6-7 Windstärken als wir in den Cays, am Außenriff eine Mooring fischen (Hier in den national Parks soll man an eine Mooring um nicht den Anker in Korallen oder Seegrasfelder zu werfen.) Fast wie im offenen Wasser schwappen die Wellen gegen die Außenhaut, allerdings ist es an Deck ruhig und gemütlich, zwischen den teils erheblichen Schauern.

Mr. Bestsprice, ein Bekannter von Union Island kommt mit seinem Motorboot angebraust um uns zu einem Barbecue am Strand zu überreden, durchaus bezahlbar, Lobster und Fleisch mit günstiger vegetarischer Alternative. Leider empfinden ihn nicht alle Crewmitglieder als vertrauenswürdig und so tuckert er mit hängenden Schultern traurig davon. Wir essen Nudeln.

Oft regnet es, trotzdem gehen wir fast durchgehend schnorcheln, sind ja nicht aus Zucker.

Die Riffe sind gefüllt mit bunten Fischen, im tieferen Bereich segeln Rochen, grasen Schildkröten. Über allem schweben Fregattvögel und Pelikane. Der Mensch ist hier nur Besucher.

Davon gibt es allerdings relativ viele, weshalb wir morgens aufbrechen und Canouan ansteuern. Eine weitere Insel, nicht sehr spannend aber ein weiterer Schritt nach Norden.

In Richtung der letzten Grenadinen-insel, Bequia. Wunderschön soll sie sein und ein guter Platz um Sylvester zu feiern. Den Plan haben neben uns noch sehr viele andere und so ändern wir die Taktik. Geben die Idee, vor der Stadt zu ankern, auf und orientieren uns an den Strandbars. Mit dem Fernglas stellen wir Vergleiche an, ankern vor unserem Favoriten. 

Aufgedonnert shuttlen wir an Land, verzehren ein köstliches Mahl und freuen uns, als der DJ seine Anlage aufbaut. Sieht vielversprechend aus. Allerdings verlässt er daraufhin die Bar und wart nicht mehr gesehen, wahrscheinlich war sein Gras verraucht.

Ein italienischer Gast erbarmt sich und übernimmt. Nach wenigen coolen, entspannten Songs wünscht sich unsere tanzwütige Ida Abba. Die ersten Töne erklingen, von überall strömen Leute herbei. Schlagartig tanzt die ganze Straße, von Mitternacht nur kurz unterbrochen, bis um 2:00, dann fahren wir mit qualmenden Füßen an Bord.

2 Antworten zu „Heilige Tage unter Palmen”.

  1. Danke für den schönen und klaren Bericht & die Fotos, den ich mir noch „kurz vor der Koje“ reingezogen hab. Haben hier in Flens gestern und heute Nacht am Wassersleben-Horizont Polarlichter. Hier! Grund: Die verstärkten Sonnenprotuberanzen. Horizont Morgen frühes Aufstehen, zu Werft nach Kappeln, Stb.- Trinkwassertank ausbauen. Euch weiterhin fair winds! Gruß Achim

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