Der Himmel sieht knackig aus als Aurora um 8:00 Uhr aus der Bucht von Deshaies, Guadeloupe segelt. Wolkenberge ziehen zügig durchs Blaugrau, Wellenberge türmen sich im blau.
Mit schäumender Bugwelle zieht unser schönes Schiff durch die karibische See, immer zwischen den Schauern durch. Gegen Mittag ist der gesamte Himmel in Luv schwarz und wir binden vorsichtshalber ein Reff ein (verkleinern die Fläche des Großsegels). Schon fallen die Böen mit 7- 8 Windstärken über uns her, verschaffen uns eine noch zügigere Fahrt, herrlich.



Bis der Regen kommt, den Wind nimmt und uns sehr nass macht, bevor die Sonne mit dem alten Wind zurückkommt. Bis zum nächsten Schauer. Der letzte des Tages, während dessen Toben wir Antigua erreichen. Er wird von den Leuten an Land mit großen Augen „der Sturm“ genannt werden. Bei uns regnet es hauptsächlich.
Der Anker fällt in der völlig überfüllten Ankerbucht von English Harbour. Zu voll, also fahren wir an den riesigen Yachten vorbei, tief in den historischen Hafen und finden einen traumhaften Platz vor der ehemaligen Sailloft und dem „Admirals Inn“. English Harbour ist ein verwinkelter, verzweigter, sehr geschützter Naturhafen, in dem die Engländer in Nelsons Zeiten eine große Werft gebaut haben. Liebevoll restauriert bildet sie die Basis für das Herz des Segelns in der Karibik. Hier werden die großen Regatten gesegelt, wie die Antigua Sailing Week, nur für alte Schiffe, ende April. Der Fährmann fährt extra einen Umweg, um uns eine Einladung zu überreichen. Das wird uns in den nächsten Wochen noch mehrfach passieren, aber im April sind wir bereits sehr weit weg auf dem Weg gen Heimat.
An Land gibt es alles. Auch ein Amt, in dem sich Ole ein Stündchen vor dem Regen verstecken und die Formalitäten erledigen kann, inklusive Zahlung diverser Park-, Müll- und Kitschgebühren. Ein Bäcker backt halbwegs gutes Brot, der Schiffshändler verkauft einige benötigte Teile, der Supermarkt hat einen eigenen Dinghi- Anleger und diverse Bars und Restaurants bieten auch WLAN an.
Zwei Handelsunternehmen verdienen besondere Erwähnung: Ein winzig kleiner Wohnzimmerladen hat nicht nur eine erstaunliche Auswahl an Seekarten und Hafenhandbüchern, sondern auch eine Großmutter, die Flaggen selbst näht. Wir erwerben fast alle Flaggen der nächsten Inselstaaten und Bananenrepubliken (als besuchendes Schiff hisst man die Flagge des besuchten Landes steuerbord des Mastes) und lassen uns noch einen großen „Red Ensign“, die englische Flagge für normal sterbliche, nähen.
Außerdem gibt es einen total coolen Dude, Trevor, der uns aus einem Wohnwagen die erste wirklich funktionierende Datenkarte für unser Bordnetzwerk verkauft und außerdem verspricht, unsere portugiesische Gasflasche zu füllen.
Abends feiern wir mit vielen amerikanischen Superyachtangestellten in der Sportsbar auf der Pier, sehr lebendig, mit vielen sehr tiefgründigen, kurz anhaltenden Kontakten.










Der Sonntag verstreicht mit Schiffsarbeit und Stegspucken (durch den Hafen schlendern und zu jedem Wasserfahrzeug unpassende, hochqualifizierte Kommentare abgeben). Neben den einfach unanständig viel zu großen Schiffen gibt es Ozeanruderboote, die hier eine Regatta beenden. Eines davon hatten wir schon in Schottland getroffen und mit den Crewmitgliedern geredet. Die Spinner rudern wirklich tatsächlich mit 1 – 12 Personen über den Atlantik und kippen während der mindestens 4 Wochen regelmäßig um, wie ungemütlich.
Für den Abend haben wir einen Geheimtipp aus unserem Buch. Auf dem Berg, mit spektakulärem Blick über den Hafen findet jeden Sonntag ein Barbecue mit Livemusik statt.
Das können wir uns nicht entgehen lassen, fahren mit dem Dinghi in die äußere Ankerbucht, fragen den Falschen nach dem Weg, laufen den falschen Weg. Endlos weit, aber wunderschön, als hätten wir es geplant. Mit einsetzender Dunkelheit erreichen wir die Bergspitze, den idyllischen Grillplatz. Doch was ist das? Am Eingang befindet sich ein riesiger Parkplatz, wo uns 10 Dollar (US) pro Person abgeknöpft werden. Auf dem Gelände dann mehrere 1000 Personen, die perfekt organisiert um ihre Ersparnisse gebracht werden, beschallt von grauenerregender Steeldrum Musik. Immerhin ist der Ausblick wahrlich traumhaft. Nach einem Drink, für den wir eine halbe Stunde anstehen mussten, fliehen wir auf dem richtigen Weg in Windeseile zum Strand.











Im Buch stand auch, dass einem das Social Live eventuell irgendwann zu viel wird und man in einer Flussmündung, 2 Meilen entfernt, seine Ruhe finden kann. Dorthin verholen wir uns, werfen unseren Anker in perfekter Stille, einziges Schiff. Umgeben von Stand und Felsen auf der einen, Mangrovenwäldern auf der anderen Seite. Außerdem soll hier ein toller Tauchspot sein, Erics Garden, unterhalb einer Riesenvilla, die dem Barden Eric Clapton gehört. Also tüdeln wir unseren Kram zusammen und erleben einen paradiesischen Tauchgang, wie im Aquarium.















Zurück in English Harbour wollen wir die gefüllte Gasflasche abholen, nur ist sie leider noch leer. Lässt sich auf der Insel nicht füllen, aber man könne den Anschluss umbauen oder eben eine neue, Karibische kaufen. Kostet alles ähnlich und ist erst morgen möglich. Also am nächsten Morgen mit dem 3. System in See gestochen. Auf nach Carisle Bay, satte 5,5 Meilen weiter und am nächsten Tag 10 Meilen bis zur Deep Bay. Immerhin recht einsam mit einem tollen Strand zum Spikeball spielen und einer Burg für Ole zum Angucken, außerdem liegt mitten in der Bucht das Wrack eines 3 Mast Vollschiffs, auf Schnorchel Tiefe. Wir erfreuen die Bucht mit unserem neuen Kompressor, unter lautem Geknatter füllt er unsere leeren Tauchtanks. Leider ist die Sicht unter Wasser so mies, dass die Pullen voll verstaut werden.
Abends haben wir unsere norwegischen Bekannten und Begleiter bei der Indian River Tour auf Dominica, auf einen Drink und gute Gespräche zu Gast.
















Von unserem nächsten Ziel, Barbuda, hatte uns schon bei den Saints, ein schwimmender Motorbootfahrer vorgeschwärmt. Er hätte da einfach 2 Wochen vor Anker gelegen, so schön sei es da.
Das wollen wir sehen und holen recht früh den Anker hoch und das Schlauchboot an Deck. Doch dann, helle Aufregung, über das Vorschiff flitzt eine Kakerlake. Die muss am Strand zugestiegen sein und jetzt gefangen werden, wir wollen sie nicht platt hauen. Das liegt allerdings nicht an unserer ausgeprägten Tierliebe, sondern an der Tatsache, dass Kakerlaken im Moment des Zerquetscht Werdens eine große Menge an Eiern versprühen, womit das Problem vervielfältigt wird. Obwohl das Viech sich wacker versucht zu verstecken, spüren wir es auf, treiben es in die Enge, wo Tom der Fang gelingt. Dann geben wir ihr großzügig die Freiheit wieder, wie weit sie wohl schwimmen kann?


Nach der Aufregung lassen wir den lebhaften Ostwind unsere Segel füllen, Kaisersegeln auf 30 Meilen und am Ziel, Cocoa Point, wirklich ein Paradies. Die Insel ist komplett flach, höchste Erhebung ungefähr 4 Meter über Meeresniveau, die gesamte Südostküste ein einziger langer Strand. Breit und weiß und weich, kaum Menschen, außer in einem absurd teuren Restaurant. Das wollen wir natürlich nicht, sondern die Lobsterbude von Shack a Kai. Ein einsamer Koch, der nur die großen Meerestiere und Hühnchen im Angebot hat, Teller und Gläser muss man selbst mitbringen. Mit den Füßen im Sand schlemmen wir im Sonnenuntergang. Was für ein Leben….

















Nach stundenlangem Spikeball spielen im weißen Sand wird die Fahrt in die nächste Ankerbucht, außerhalb der Lagune vor der Hauptstadt, wieder vom Ostwind versüßt. Wir steuern zu der Position einer Strandbar, an deren Rückseite die Wassertaxis in die Siedlung übersetzen sollen. Die Position stimmt, besteht allerdings nur aus Wasser. Die gesamte Landverbindung ist weg, bis zum kleinen Resort Hotel am anderen Ende. Dann ankern wir eben dort, der Generator der Anlage wird schon nicht so schlimm sein, wie es im Buch steht. Von der Ferne wirkt die Architektur etwas eigenwillig, winkelig und schief. Hat natürlich einen Grund. Das Gebäude ist in der Mitte durchgebrochen, der Pool samt Pavillon ins Meer gerutscht. Der Hurrikan Irma hat 2017 nicht nur die Lagune geöffnet, sondern auch 40 Meter Strand abgespült und so das mangelhafte Fundament entkräftet. So erzählt es Jones, der uns mit seinem Wassertaxi hin und her fährt, auch in die Fregattvogelkolonie. Die größte (natürliche) Ansammlung dieser faszinierenden Vögel in der Karibik, sehr spannend und etwas gruselig.



























Mit einsetzender Dämmerung lichten wir den Anker, es soll früh morgens Richtung St. Barth gehen. Frohgemut wird das Großsegel gesetzt. Bis die Frage, ob wir nicht ausklarieren müssen, den Ausflug beendet. Also Retour, Anker werfen, frühstücken, spielen.
Wassertaxi in die Stadt am späteren Morgen. Hier werden die Hurrikane Folgen erst richtig sichtbar. Nicht nur die Kirche liegt in Trümmern. Viele Gebäude sind komplett zerstört, alle Dächer wurden weggeblasen, es gibt wahrhaftig kein altes Dach. Das Amt mit 2 netten Zöllnern bildet keine Ausnahme.
Am Abend gelingt die Abreise, der treue Ostwind verschafft uns eine schnelle Passage, bereits um 7:00 morgens erreichen wir den Ankerplatz der Superyachten vor Gustavia, St. Barth. Die Bucht für normal große Schiffe ist überfüllt, so beschließen wir in den Hafen einzulaufen und anzulegen. Römisch-Katholisch (immer den Ar…. An die Wand), liegen wir zwischen Buganker und Achterleinen. Unser Nachbarschiff ist ca. 6-mal so lang wie wir. Gute Mole.
Trotzdem ruckt die Aurora wild in den Festmachern, ein etwas unfähiger Katamaran reißt unseren Anker raus und der Hafenmeister kritisiert uns. Wie schön sind einsame Buchten…. andererseits gibt es hier viele Restaurants, die wir uns nicht leisten können, viele Luxusboutiquen, für die das gleiche gilt und Supermärkte mit 15 Champagner Sorten und Schildkrötengemälden für 5.200,00€ neben dem Shampoo. Aber es gibt gutes Baguette, man isst, ist und redet Französisch, obwohl die Straßennamen schwedisch sind, Retikula alter Zeiten. Der Anblick, wie eine Superyachtbedienstete einer rundlichen Oligarchengattin einen Tritt zum Besteigen des vorgefahrenen Wagens bereitstellt, amüsiert uns so sehr, dass wir beim fluchtartigen Verlassen des Hafens am nächsten Morgen immer noch lachen.








Lachhafte 7 Meilen später hängen wir uns im Naturschutzgebiet vor der Isle Fuerchue an eine Mooring, was für ein Kontrast! Weitere 3 kleinere Schiffe bevölkern die Bucht, an Land keine menschlichen Spuren, unter uns kristallklares Wasser. Beim umgehenden Schnorcheln erfreuen wir uns neben tollen Korallen, unzähligen bunten Rifffischen, großen Schildkröten, den notorischen Rochen und einer riesigen Languste, an unserem ersten Hai. Recht klein und recht absolut ungefährlich. Nachts strahlen die Sterne. Keine Licht- und Lärmverschmutzung durch überbordenden Reichtum und Tourismus. Die Schiffe hier haben weder Unterwasser- noch Mastbeleuchtung.

Das bekommen wir wieder am Ziel des nächsten Tages in St. Maarten, Simpson Bay. Sehr gut besucht, sortieren sich die Schiffe nach Größe. Ganz innen ankern die Kleineren, dann nach Größe gestaffelt bis zu den Superyachten ganz außen. Fast am Strand finden wir eine gute Lücke. Mit dem Schlauchboot geht es zum Einchecken an Land. Die niederländischen Antillen haben mit den Niederlanden, bis auf ein paar Rot-Weiß-Blaue Flaggen nichts zu tun, gehören politisch eher zu Curacao. Das Procedere in der Amtsstube ist hinterwäldlerisch aber nach zig Formularen und unterschiedlichen Gebühren, dürfen wir an Land. Hier ist es richtig schön schrecklich. Laut, dreckig und vom Verkehrsinfakt bedroht, präsentiert sich das Shopping Paradies. Die ganze Insel ist zollfreies Gebiet, was neben riesigen Megayachten in riesigen Megayachtmarinas auch haufenweise Kreuzfahrttouristen und Schnäppchenjäger anzieht. Und es gibt einen internationalen Airport, Grund unseres Besuchs, an dem nachmittags Charly und Meret ankommen. Die Bar am Dinghidock vertreibt die Reisemüdigkeit mit Billard, großartigen Kontakten und wildem Tanz. Der nächste Tag wird karibisch vertrödelt, baden, Strandspaziergänge, Shops, baden, lesen… bevor es nachmittags in die Sportsbar zum Football schauen geht. Die Anhänger dieser, vom unkundigen Ole als eher langweilig angesehenen Sportart, sind jetzt in der Überzahl. So verbringen wir den Rest des Tages mit sehr Übergewichtigen, zunehmend lauten Amerikanern.




















Am nächsten Morgen verholen wir in die Lagune. Ole muss wieder zum Amt, Charly und Meme auf die Crewliste setzen und Jette, die uns verlassen muss, streichen lassen.
Wir ankern vor der Bar „Rusty Rocket“ am Flughafen, wo wir Jette stilvoll per Dinghi ausbooten.
Am nächsten Morgen werden wir den Reichtum verlassen.

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