17.Mai 2023 – 14:18 – 931,6 nm to go
N 35°46.87′ W 45°42.68′
Die letzten zwei Tage waren eine Achterbahnfahrt der Wetterlage. Von Flaute und 2 Knoten Wind bis zu Gewitter mit Böen von bis zu 36 Knoten.
Nachdem wir die Orcas gesichtet hatten und es einige Stunden gedauert hat, bis sich die allgemeine Stimmung wieder beruhigte. Der Wind trug
zu dieser Beruhigung bei. Schöne 5 bis 6 Windstärken pusteten uns nach vorne. Wie auf schienen fuhr die Aurora mit dauerhaft bis zu 8 Knoten Geschwindigkeit durch die immer größer werdenden Wellen. Wir dachten es könnte nicht besser werden, da fing eine Delfinschule an rund ums Schiff zuspielen.
Kleine und große Atlantic Spotted Dolphins. Und dann… „Ich glaube da ist ein Fisch an der Angel.“ In der Tat, der Bissanzeiger war bis zum Anschlag ausgedehnt.
Tom und Jesper machten sich an die Arbeit und zogen wie die Verrückten an der Angelleine. Mit zunehmendem Kraftaufwand wuchs die Angst, dass sich nun doch ein Delfinbaby an unseren Plastikpulpo angeschlichen und ihn dann doch für schmackhaft-aussehend empfunden hat. Bis es direkt am Schiff war, lies sich das Wesen nicht identifizieren. Aber dann die Entlastung.. es war ein Gelbflossenthunfisch. Aber was für einer. Die Jungs hatten einen echten Kampf bis das Riesenvieh an Deck lag und erlegt werden konnte. Die zwei Vollblutmeeresbiologinnen konnten kaum hinsehen. Dann wurde gemessen. 124 cm. Ungefähr 40 kg. Wer soll das alles essen?
Nachdem der erste Schreck verdaut und die Aurora wieder etwas mehr nach Segelschiff als nach arbeitendem Fischkutter aussah, wurde für die Nacht gerefft. 2 Reffs ins Großsegel, Fock und Klüver blieben. Dann kam der Sonnenuntergang und dann nochmal die nächsten Delfine. Was für ein Tag. Orcas, 3 Delfinschulen und ein Riesenthuna.
Die Nacht hatte nicht viel weniger zu bieten. Um 18:30 Uhr fing es an zu regnen und hörte auch für die nächsten 4 Stunden nicht mehr auf. Ein Schauer jagte den nächsten.
Der Wind nahm weiter zu, zwischendurch hielten 7-8 Windstärken uns auf dem Gas. Morgens dann ein Gewitter mit 36 Knoten Wind. Der neue Speedrekord ab jetzt 12,2 Knoten.
Mit ähnlichen Geschwindigkeiten wie die Seaexplorer beim Oceanrace rasten wir durch unser erstes persönliches Pointgate. Nun noch nicht mal mehr 1000 Meilen bis Horta, Azoren.
Der nächste Morgen brachte Regen und dann mal wieder Flaute. Kein Wind in den Wellen von 6-7 Windstärken sorgt für ein fürchterliches Gewackel, welches mit einem gruselig-laut schlagenden Großsegel einhergeht, was klingt als würde jederzeit der Mast runterkommen. Also: Segel runter, Motor an und ab ins Geschaukel.
So ging es dann den ganzen Tag. Mittags wurde von Jesper der erste 1% des Fisches als Sashimi zubereitet. Roher Thunfisch mit Sojasoße. Was ein Genuss. Abends ging es dann mit Thunfischsteak, Kartoffeln und Quark weiter. Ein Festmahl und das am 9. Tag der Reise.
Es folgte eine weitere Flautennacht, wobei die Sorge um die Dieselvorräte weiter ansteigen. Keine 400 Liter mehr im Tank und das Azorenhoch voraus. Das Azorenhoch ist wohl weitesgehend so beständig, dass manchmal bis zu 200 Meilen vor den Azoren der Wind komplett einschläft und auch nicht wiederkommt. Wir planen also mit 250 Litern, die wir am Ende noch brauchen. Leider erst am Morgen kam Chiara die glorreiche Idee die Drehzahl zu drosseln. Wir machten 1 Knoten weniger Fahrt aber verbrauchten nur halb so viel Diesel.
Das beruhigt.
Schon um kurz nach 10:00 Uhr kam der Wind wieder. Alle Segel hoch! Sogar das Topsegel. 2. mal gesetzt seit wir Dänemark verlassen haben. Aber es leistet uns gute Dienste und bringt einen extra Knoten Speed. So kommt es, dass wir derzeit bei 3-4 Windstärken mit 6 Knoten in die richtige Richtung segeln. Das macht so viel Spaß!!
Während an Deck der Autopilot wieder von echten Steuerfrauen und -männern abgelöst wird, muss unter Deck eine Umräumaktion passieren. Der vordere Kühlschrank muss wegen des Fisches zum Gefrierfach werden und deshalb der ganze Frischkäse etc. in die Kühlschublade umziehen. Das passt gerade eben so und lässt die Gerüchte aufkommen, wir hätten zu wenig zu Essen.
Stimmt nicht. Das Schiff ist so voll mit Essen, wir könnten ohne Einzukaufen nach Hause segeln und im August alle Leser und Leserinnen dieses Blogs einladen und bekochen und es wäre immer noch etwas übrig. Und ja, ihr habt richtig gelesen. Wir haben jetzt einen Gefrierschrank und einen Kühlschrank. Jetzt sind wir doch ein richtiger High-End-Kutter, der den Superyachten in nix nachsteht.
Jetzt muss hier Schluss sein. Nun wird um die nächste Zeitverschiebung gekniffelt, also wer eine Stunde weniger Wache in der Nacht auf Samstag haben wird.
Viele Grüße vom Schiff
Eure Aurora-Crew

Hinterlasse eine Antwort zu Achim Antwort abbrechen