12. Juni 2023 – 14:15 Uhr – 639.0 nm to go
N 44°25.903′ W 18°37.404′
Fünf Tage auf See und die Hälfte der Meilen in der Tasche. Das heißt, endlich mal richtig guter Wind! Vor allem in den letzten zwei Nächten hat der Wind mal richtig gezeigt, was er kann. Aber erstmal war am 10.Juni der 90. Geburtstag der Großmutter, bei dem wir natürlich nur schweren Herzens nicht dabei sein konnten. Dafür haben wir das erste Mal das Satellitentelefon ausprobiert und ganze 3 Minuten mit dem Geburtstagskind telefoniert! Das war toll. Der bereits kalt gestellte Geburtstagssekt musste allerdings leider wegen ständig überflutetem Deck ausfallen. Wir wollten schließlich nicht, dass das gute Zeug versalzwässert.
Dann ging es los. In der Nacht von Samstag auf Sonntag zeigte der Windanzeiger über viele Stunden zwischen 28 und 34 Knoten Wind. Dieser aus einer sehr schönen halben bis etwas raumen Richtung. Das Wasser wurde natürlich auch vom Wind bewegt und türmte sich an unser Backbordseite zu bis zu 4 Meter großen Wellen auf. Dementsprechend rasten wir oft mit 8-9 Knoten die Wellenberge hinab und hetzten dann dank gefüllter Segeln direkt weiter. Über 6 Knoten Durchschnittsgeschwindigkeit waren in der Nacht zu verzeichnen. Das war ein Spaß! Mit zwei Reffs, Fock und Klüver ließ sich der Kurs über weite Strecken sehr gut halten. Wenn dann mal eine Böe von 36 Knoten Wind kam, wurde das Schiff nach Luv, also zum Wind, gedrückt und es hat trotz voll eingeschlagenem Ruder gedauert, bis es wieder abgefallen ist. wir freuten uns also über die leichte Windabnahme auf etwa 22 Windknoten am Morgen. Sie ließ die Wellen sich beruhigen und auch die Crew sich entspannen. Es macht zwar Spaß, aber ein wenig anstrengend ist es trotzdem.
Der Tag brachte dann mäßige Winde, die uns nachmittags sogar dazu brachten Topsegel und Big Mama zu setzen. Weiterhin mit 6 Knoten unterwegs segelten wir glücklich in die nächste Nacht. Diese brachte mehr Wind als erwartet. 22-25 Knoten durchgehend, mittelhohe Wellen, noch bessere Bedingungen. Schon um 4 Uhr wurde die 700 Meilen-Marke geknackt. Vor allem Niko war völlig beseelt. „Was ein geiles Segeln durch die sternklare Nacht! Und dann noch Delfine, die ihre Glitzerspuren im Wasser zogen.“
Am Morgen dann schlug der Bissanzeiger voll aus. Ein 75 cm langer Bonito wurde von Jesper und Pierre aus dem Wasser gezerrt und direkt zum Teil für das heutige Abendbrot präpariert. Ceviche. Wir sind gespannt.
Als es dann schon hellichter Tag war und die meisten sich aus den Kojen geschält hatten und an Deck rumlungerten, begegnete uns ein Mondfisch, der total entspannt kurz unter der Oberfläche herumtrieb und nur seine sehr große Flosse in die Höhe streckte. Ein ganz neuer Meeresbewohner.
Berechnungen zeigen, dass wenn wir so weiter segeln, wir dann noch vor Mitternacht die 600 knacken werden. Das wäre super, da der Wind uns voraussichtlich in 2 Tagen komplett verlassen wird und wir die bis dahin hoffentlich nur noch weniger als 450 Seemeilen mit der Maschine bekämpfen müssen… Aber noch ist da nicht das letzte Wort gesprochen und wir gucken von Tag zu Tag was wir mit welcher Besegelung aus dem noch übrig gebliebenen Wind herausquetschen können.
Dennoch, England kommt rasend schnell näher und wir sind uns garnicht sicher ob wir schon bereit sind, dass diese Reise bald zuende geht.
Deshalb genießen wir jetzt noch das Segeln und die Seeluft. Lassen Aurora durch die Wellen fliegen und freuen uns auf die nächsten Abendessen. Endlich wieder Thunfisch.
Viele Grüße von See
Eure Aurora Crew

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